21.06.2019, 13:02 Uhr

Berlin (AFP) "Gorch Fock" in Bredo-Werft für Testlauf zu Wasser gelassen

"Gorch Fock" in der Bredo-Werft in Bremerhaven. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Axel Heimken (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Axel Heimken)"Gorch Fock" in der Bredo-Werft in Bremerhaven. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Axel Heimken (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Axel Heimken)

Verteidigungsministerin spricht von "ganz wichtigem Tag für die Marine"

Nach mehr als drei Jahren im Trockendock schwimmt die "Gorch Fock" wieder: Der Rumpf des Segelschulschiffs wurde am Freitag für einen Testlauf zu Wasser gelassen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bezeichnete das Ausdocken in der Bredo-Werft in Bremerhaven als "ganz wichtigen Tag für die Marine". Das Ziel, die "Gorch Fock" wieder als Ausbildungsschiff auf hoher See einzusetzen, sei damit aber noch nicht erreicht.

Bei dem mehrstündige Test am Freitag sollte die Schwimmfähigkeit des Schiffsrumpfs geprüft werden. Dafür sollte das Schiff bei so genannten Krängungsversuchen kontrolliert zur Seite gerollt werden.

Der Testlauf war erst durch eine Einigung am Donnerstag im Rechtsstreit zwischen der Bredo-Werft, in der sich das Schiff befindet, und dem Bundesverteidigungsministerium möglich geworden. Die Werft hatte das Schiff zunächst nicht ausdocken lassen wollen, weil sie noch Geld von der Regierung haben will.

Der Ausgang der Tests soll mit darüber entscheiden, ob die "Gorch Fock" wie geplant zu Ende saniert und wieder als Segelschulschiff eingesetzt wird. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. "Wenn dieser Test bestanden wird, haben wir eine gute Chance weiterzumachen."

Ministerin von der Leyen zeigte sich zuversichtlich: "Die Perspektive wird besser, dass die 'Gorch Fock' eines Tages wieder auf den Weltmeeren segeln kann." Mit dem Test vom Freitag sei ein "wichtiger Meilenstein bewältigt".

Die Opposition bekräftigte ihre Kritik an der Schiffssanierung. "Die Sanierung wurde ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Sinn und Verstand durchgeboxt", erklärte der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner. "Dass die Herausgabe des Schiffsrumpfes, der gerade so schwimmen kann, als Erfolg im Ministerium gefeiert wird, macht das ganze Ausmaß des Desasters um die 'Gorch Fock' deutlich."

Ähnlich äußerte sich Matthias Höhn, der sicherheitspolitische Sprecher der Linksfraktion. "Mit dem heutigen Ausdocken der 'Gorch Fock' ist das Trauerspiel um das Millionengrab des maroden Segelschulschiffs der Marine nicht beendet, sondern nur um eine Etappe reicher." Er forderte, die "Gorch Fock" außer Dienst zu stellen, bevor "weitere Millionen in ihr versenkt werden".

Die Bredo-Werft ist als ein Subunternehmer für die mit der Sanierung der "Gorch Fock" betraute Elsflether Werft tätig. Diese ging zwischenzeitlich insolvent, befindet sich aber derzeit in einer Neustrukturierung.

Die Instandsetzung des Schulschiffes sorgte wegen drastischer Kostensteigerungen für Wirbel. Darüber hinaus ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft auch wegen des Verdachts von Korruptions- und Untreuedelikten rund um die Arbeiten und die Elsflether Werft.


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