20.06.2019, 07:40 Uhr

Washington (AFP) Studie: Himalaja-Gletscher schmelzen doppelt so schnell wie im 20. Jahrhundert


Forscher sehen durch Folgen von Klimawandel Wasserversorgung in Südasien bedroht

Die Gletscher im Himalaja-Gebirge schmelzen laut einer Studie doppelt so schnell wie vor der Jahrhundertwende. Die Folgen des Klimawandels auf das Gebirge könnten verheerende Auswirkungen auf die Wasserversorgung in Südasien haben, heißt es in der US-Studie, die am Mittwoch im Fachblatt "Science Advances" veröffentlicht wurde. Für ihre Analyse hatten die Forscher erst kürzlich von den US-Behörden freigegebe Satellitenbilder aus der Zeit des Kalten Krieges ausgewertet.

Steigende Temperaturen seien der Hauptgrund für die schnellere Gletscherschmelze, schreiben die Autoren. Die Forscher werteten Satellitenbilder von US-Geheimdiensten eines 2000 Kilometer langen Gebiets in Indien, China, Nepal und Bhutan aus 40 Jahren aus. Dabei stellten sie fest, dass die Gletscher seit dem Jahr 2000 jährlich 45 Zentimeter Eis verlieren - doppelt so viel wie in den Jahren zwischen 1975 und 2000.

Auch die Temperaturen in dem Gebirge haben sich deutlich erhöht: Die Durchschnittstemperatur lag zwischen 2000 und 2016 um ein Grad Celsius höher als im Vergleichszeitraum von 1975 bis 2000.

Die Studie liefere das bislang "deutlichste Bild darüber, wie schnell die Gletscher im Himalaja schmelzen und warum", sagte Hauptautor Joshua Maurer von der Columbia University in New York. Die Studie untermauert frühere Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Himalaja-Region, umfasst aber ein geographisch größeres Gebiet und einen längeren Zeitraum.

Eine ebenfalls am Mittwoch in der Zeitschrift "Science Advances" veröffentlichte Studie geht davon aus, dass Grönlands Eisschild noch in diesem Jahrtausend komplett schmelzen könnte, wenn die Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden. "Wenn wir so weiter machen wie bisher, schmilzt Grönland", warnte Hauptautor Andy Aschwanden von der Universität von Alaska in Fairbanks.

Die derzeitigen Treibhausgasemissionen hätten "enorme und langfristige Folgen" nicht nur für Grönland, sondern für den Meeresspiegel und die Menschheit insgesamt. Ein komplettes Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds hätte einen Meeresspiegelanstieg von sieben Metern zur Folge.

Ältere Modelle gehen von einer deutlich langsameren Eisschmelze in Grönland aus als das nun von Aschwanden vorgelegte, das sich auf Daten der US-Raumfahrtbehörde Nasa stützt. Nach seinen Prognosen würde der Meeresspiegelanstieg in den nächsten 200 Jahren 48 bis 160 Zentimeter betragen, wenn das Eis in derselben Geschwindigkeit wie jetzt weiterschmilzt.

Im Oktober hatte der Weltklimarat (IPCC) gewarnt, dass die Zeit im Kampf gegen den Klimawandel knapp werde. Das UN-Gremium forderte einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel, um eine globale Klimakrise mit weit reichenden zu verhindern.


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