18.06.2019, 13:10 Uhr

Paris (AFP) Ex-Uefa-Präsident Platini wegen WM-Vergabe an Katar in Polizeigewahrsam

Der frühere Uefa-Präsident Michel Platini . Quelle: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI (Foto: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI)Der frühere Uefa-Präsident Michel Platini . Quelle: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI (Foto: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI)

Frankreichs Justiz ermittelt gegen 63-Jährigen in Korruptionsaffäre

In der Affäre um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar nimmt die französische Justiz den früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini ins Visier. Der 63-Jährige wurde im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen in Polizeigewahrsam genommen, wie es am Dienstag von Seiten der Ermittler in Paris hieß. Platini erklärte, er sei an der Affäre "völlig unbeteiligt".

Der frühere Kapitän der französischen Nationalmannschaft wurde kurz vor seinem 64. Geburtstag am Freitag von der Antikorruptions-Einheit der Justizpolizei in Nanterre westlich von Paris in Gewahrsam genommen und verhört, wie es von den Ermittlern weiter hieß.

Die Berater des früheren Uefa-Präsidenten erklärten, Platini habe "sich überhaupt nichts vorzuwerfen". Es handele sich "nicht um eine Verhaftung, sondern um eine Anhörung als Zeuge".

Die Ermittlungen drehen sich um die dubiosen Umstände der WM-Vergabe an Katar Ende 2010. Der als Außenseiter geltende Wüstenstaat setzte sich beim Weltfußballverband Fifa überraschend gegen den Mitbewerber USA durch. Schon unmittelbar nach der Entscheidung wurden Korruptions- und Vertuschungsvorwürfe laut.

Der später gestürzte Fifa-Präsident Sepp Blatter beschuldigte Platini und den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy, die WM-Vergabe an Katar eingefädelt zu haben. Sarkozy habe Platini überzeugt, mit weiteren Vertrauten für das Land zu stimmen. Dies habe den Ausschlag für das Emirat gegeben, sagte Blatter Ende 2015.

In einem Interview mit dem Schweizer Sender RTS bekräftigte Blatter nun die Vorwürfe. Dennoch äußerte er sich verwundert über die Ermittlungen gegen Platini: "Ich dachte, die Katar-Sache wäre ein für allemal abgeschlossen", sagte der 83-Jährige. Die Festnahme Platinis sei eine "große Überraschung" für ihn.

Die französische Finanz-Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall im Jahr 2016 vorläufige Ermittlungen unter anderem wegen "Korruption" und "Bildung einer kriminellen Vereinigung" eingeleitet. Dabei geht es um die Doppelvergabe der WM 2018 an Russland und des Turniers 2022 an Katar.

Besonders interessiert sich die französische Justiz für ein "Geheimtreffen" im Elysée-Palast am 23. November 2010, kurz vor der WM-Entscheidung für Katar. Daran soll nach französischen Medienberichten neben dem damaligen französischen Präsidenten Sarkozy und Fifa-Vizepräsident Platini auch der frühere Prinz und heutige Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, teilgenommen haben.

Die Justiz hat auch Vertraute Sarkozys im Visier - seine frühere Sportberaterin Sophie Dion ist ebenfalls in Polizeigewahrsam, wie es von den Ermittlern weiter hieß. Zudem werde der damalige Generalsekretär des Elysée-Palastes, Claude Guéant, von den Ermittlern verhört. Anders als Platini und Dion blieb Guéant aber auf freiem Fuß.

Die WM-Vergaben an Katar und Russland lösten eine schwere Krise im Weltfußballverband Fifa aus. Ein Untersuchungsbericht der Fifa-Ethikkommission zu dem Fall wurde erst im Juni 2017 veröffentlicht. Er legt vor allem mit Blick auf die Katar-Entscheidung dubiose Machenschaften offen. Das Emirat Katar weist bis heute alle Vorwürfe zurück, die Vorbereitungen für die WM laufen auf vollen Touren.

Blatter stürzte als Fifa-Chef 2015 über eine dubiose Millionenzahlung an Platini, die auch die Karriere seines "Kronprinzen" Platini beendete. Der frühere Kapitän der französischen Nationalmannschaft ist von der Ethikkommission der Fifa noch bis Ende dieses Jahres gesperrt.

Auch schon nach früheren WM-Vergaben wurden Korruptionsvorwürfe laut. So sorgten im Umfeld des "Sommermärchens" 2006 in Deutschland dubiose Millionenzahlungen für einen Schmiergeldverdacht. Für den Chef des Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, blieb der Skandal in der Bundesrepublik strafrechtlich ohne Folgen, in der Schweiz laufen aber noch immer Ermittlungen.


0 Kommentare