14.06.2019, 13:28 Uhr

Washington (AFP) US-Präsidentensprecherin Sanders tritt ab

Sarah Sanders mit US-Präsident Trump. Quelle: AFP/SAUL LOEB (Foto: AFP/SAUL LOEB)Sarah Sanders mit US-Präsident Trump. Quelle: AFP/SAUL LOEB (Foto: AFP/SAUL LOEB)

Trump-Vertraute wegen konfrontativer Art umstritten

Die US-Präsidentensprecherin Sarah Sanders scheidet aus dem Amt. Die 36-Jährige verlässt das Weiße Haus zum Ende des Monats, wie Präsident Donald Trump am Donnerstag mitteilte. Er überschüttete seine Sprecherin mit Lob und bezeichnete sie als "Kriegerin". Sanders war wegen ihres oft konfrontativen Auftretens gegenüber Medienvertretern eine höchst kontroverse Figur. Ihr Verhältnis zu einem Großteil der im Weißen Haus akkreditierten Journalisten war angespannt.

Trump aber wusste die kämpferische Art seiner Sprecherin sehr zu schätzen. Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus zur Reintegration früherer Häftlinge unterbrach er am Donnerstag das Programm, um Sanders an seine Seite zu holen. "Wir haben zusammen viel durchgemacht, und sie ist zäh, aber sie ist gut", sagte der Präsident. Er pries seine Sprecherin als "großartige, wunderbare Person".

Sanders gab bei der Veranstaltung erneut ihre Bewunderung für Trump kund: "Ich liebe den Präsidenten", sagte sie. Bei ihrer Arbeit im Weißen Haus habe sie "jede Minute geliebt, auch die schweren Minuten". Sie werde eine treue Unterstützerin Trumps und seiner Politik bleiben.

Sanders' Ausscheiden kommt überraschend. Anzeichen dafür hatte es nicht gegeben. In Trumps weniger als zweieinhalbjähriger Amtszeit hat es allerdings bereits eine Vielzahl von Wechseln auf wichtigen Regierungsposten gegeben. Einen Nachfolger für Sanders benannte der Präsident noch nicht.

Die scheidende Sprecherin ist eine enge Vertraute Trumps und arbeitete schon im Wahlkampf für ihn. Nach dessen Einzug ins Weiße Haus wurde sie dann zunächst Stellvertreterin von Präsidentensprecher Sean Spicer. Nach Spicers Ausscheiden im Sommer 2017 übernahm sie dessen Posten.

Wie der Präsident warf auch Sanders immer wieder einem Großteil der Medien eine absichtlich verzerrende Berichterstattung über die Regierung vor. Als sie während eines besonders hitzigen Briefings gedrängt wurde, sich von Trumps Bezeichnung eines Großteils der Medien als "Feinde des Volkes" zu distanzieren, verweigerte sie dies.

Ebenso wie Trump legte sich Sanders auch wiederholt mit einzelnen Trump-kritischen Journalisten an. Unter ihrer Ägide wurde dem CNN-Reporter Jim Acosta kurzzeitig die Akkreditierung entzogen. Wie dem Präsidenten wurde auch Sanders vorgeworfen, Fakten zu verdrehen und Unwahrheiten zu verbreiten - was sie natürlich bestritt.

Sanders stand auch deshalb in der Kritik, weil in ihrer Amtszeit die täglichen Pressebriefings im Weißen Haus de facto abgeschafft wurden. Das jüngste Briefing durch Sanders im dafür vorgesehenen Presseraum fand am 11. März statt. Sanders zog es stattdessen vor, im Trump-freundlichen Sender Fox News aufzutreten.

Sanders arbeitete für einen Präsidenten, der die Konventionen für den Umgang mit der Öffentlichkeit gesprengt hat. Nicht nur, dass Trump sich ständig über den Kurzbotschaftendienst Twitter direkt an die Öffentlichkeit wendet. Er stellt sich auch häufig am Rande offizieller Termine oder vor seinem Abflug mit dem Hubschrauber den Fragen der Reporter im Weißen Haus. Zudem gibt er häufiger Fernsehinterviews als seine Vorgänger.

Sanders wird nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung in ihren Heimatstaat Arkansas zurückkehren, wie Trump mitteilte. Er äußerte die Hoffnung, dass sie dort für das Gouverneursamt kandidiert: "Sie wäre fantastisch." Sanders ist die Tochter des Republikaners Mike Huckabee, der selber einst Gouverneur von Arkansas war.


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