11.06.2019, 12:38 Uhr

Hannover (AFP) Evangelische Kirche richtet zentrale Anlaufstelle für Missbrauchsopfer ein

Kreuz einer Kirche . Quelle: dpa/AFP/Friso Gentsch (Foto: dpa/AFP/Friso Gentsch)Kreuz einer Kirche . Quelle: dpa/AFP/Friso Gentsch (Foto: dpa/AFP/Friso Gentsch)

Bischöfin: Dezentrale Strukturen erschwerten Suche nach Ansprechpartnern

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) richtet eine zentrale Anlaufstelle für Missbrauchsopfer ein. Ab 1. Juli können sich Betroffene an eine unabhängige Stelle wenden, wie die EKD am Dienstag in Hannover bei einem Expertenfachtag zur Aufarbeitung des Skandals um sexuellen Missbrauch mitteilte. Die Maßnahme ist Teil eines im vergangenen November beschlossenen Elfpunkteplans, für dessen Umsetzung die Kirche in diesem Jahr rund eine Million Euro zur Verfügung stellt.

Mit der Einrichtung der "Zentralen Anlaufstelle.help" werde ein Anliegen umgesetzt, "dessen Dringlichkeit uns Betroffene immer wieder eindrücklich geschildert haben", erklärte Bischöfin Kirsten Fehrs als Sprecherin des EKD-Beauftragtenrats. Die dezentralen Strukturen in der evangelischen Kirche hätten es bislang erschwert, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Diese Hürde solle mit der zentralen Anlaufstelle wirksam abgebaut werden. Die EKD schloss dafür einen Vertrag mit der Fachberatungsstelle "Pfiffigunde Heilbronn". Betroffenen stehen dort künftig geschulte Fachkräfte für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Auf dem Fachtag beschäftigte sich die evangelische Kirche auch mit den Vorbereitungen für eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Eine öffentliche Ausschreibung dafür soll das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ausarbeiten. Erste Ergebnisse werden Ende 2021 erwartet. Zudem berieten die Experten über eine Dunkelfeldstudie, die ebenfalls erstellt werden soll. Derzeit sind rund 600 Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche bekannt.


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