10.06.2019, 18:03 Uhr

London (AFP) Zehn Bewerber um Nachfolge von May als Tory-Chefin

Außenminiser Jeremy Hunt am Montag in London. Quelle: AFP/Niklas HALLE'N (Foto: AFP/Niklas HALLE'N)Außenminiser Jeremy Hunt am Montag in London. Quelle: AFP/Niklas HALLE'N (Foto: AFP/Niklas HALLE'N)

Andere Kandidaten grenzen sich von Favorit Boris Johnson ab

Zehn statt elf Kandidaten kämpfen offiziell um die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May als Parteichefin der konservativen Tories. Der Abgeordnete Sam Gyimah zog sich zum Ende der Bewerbungsfrist am Montagabend zurück, wie die Partei mitteilte. Mehrere Kandidaten versuchten sich von Ex-Außenminister Boris Johnson abzugrenzen, der als Favorit gilt. Er sorgte mit der Aussage für Furore, er würde die Austrittsrechnung Großbritanniens nicht begleichen, bis die EU besseren Austrittskonditionen zustimme.

"Unsere Freunde und Partner müssen verstehen, dass das Geld zurückgehalten wird, bis wir mehr Klarheit über das weitere Vorgehen haben", sagte Brexit-Hardliner Johnson der "Sunday Times". Um einen "guten Deal" zu bekommen, sei "Geld ein großartiges Mittel". Dem aktuellen Brexit-Abkommen zufolge müsste Großbritannien eine Austrittsrechnung begleichen, die auf rund 45 Milliarden Euro geschätzt wird.

Johnson gilt als Favorit für den Posten des Chefs der Regierungspartei, der nach den britischen Gepflogenheiten automatisch auch Premierminister wird. Sein Vorstoß stieß umgehend auf Kritik. Der Zahlungsverpflichtungen nicht nachzukommen, käme einer Nichtbegleichung von Staatsschulden gleich, "mit den bekannten Konsequenzen", hieß es aus dem Umfeld des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

May war am Freitag als Parteichefin zurückgetreten, nachdem sie in ihrer eigenen Partei seit Monaten keinen ausreichenden Rückhalt für ihren Brexit-Kurs erhalten hatte. Bis voraussichtlich Ende Juni küren die Tory-Abgeordneten aus dem Kreis der zehn Bewerber die zwei Kandidaten für die Stichwahl um den Parteivorsitz. Hier entscheiden dann die mehr als 160.000 Parteimitglieder.

Um sich von Johnson abzugrenzen, der für polternde Auftritte bekannt ist, bezeichnete Außenminister Jeremy Hunt seine Bewerbung um den Parteivorsitz als "seriös". Er wäre ein "ernsthafter Parteichef" in "ernsthaften Zeiten", betonte Hunt. Der Brexit lasse sich nicht mit "Bluffs und Getöse" vollziehen, betonte der ebenfalls kandidierende Ex-Brexit-Minister Dominic Raab in Anspielung auf Johnson.

Ein weiterer Top-Kandidat für den Parteivorsitz, Umweltminister Michael Gove, verbrachte derweil das Wochenende damit, sich für seinen Drogenkonsum vor 20 Jahren entschuldigen. Der 51-Jährige gab zu, als junger Journalist Kokain genommen zu haben und bedauerte dies "zutiefst", wie er der "Daily Mail" sagte.

Brexit-Wortführer Gove musste am Montag einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Arbeitsministerin Amber Rudd stellte sich im Rennen um den Parteivorsitz hinter Außenminister Jeremy Hunt, der eigentlich für einen Verbleib Großbritanniens aus der EU war.

Hunt behauptete am Wochenende, von Bundeskanzlerin Angela Merkel ermutigende Signale für eine Nachverhandlung des Brexit-Abkommen bekommen zu haben. Eine Sprecherin der Bundesregierung wollte sich zu "den Inhalten vertraulicher Gespräche der Bundeskanzlerin" nicht äußern, verwies aber auf eine Aussage Merkels nach einem Treffen des Europäischen Rates im April, wonach das Austrittsabkommen nicht verändert wird, aber "über zukünftige Beziehungen durchaus" gesprochen werden könne.

Nach den derzeitigen Planungen scheidet Großbritannien spätestens am 31. Oktober aus der EU aus. Auf Mays Nachfolger kommt die fast unlösbare Aufgabe zu, bis dahin einen mehrheitsfähigen Plan für den Brexit zu finden.


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