08.06.2019, 11:35 Uhr

Khartum (AFP) Sudan nimmt Protestanführer nach Treffen mit Äthiopiens Regierungschef fest


Vermittler Abiy fordert demokratischen Übergang

Im Sudan sind nach einem Vermittlungsversuch von Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed zwei führende Mitglieder der Protestbewegung festgenommen worden. Mohamed Esmat und Ismail Jalab seien ohne Angabe von Gründen nach einem Treffen mit Abiy von Sicherheitskräften festgesetzt worden, erklärten Mitarbeiter der beiden am Samstag. Zuvor hatte Abiy nach getrennten Gesprächen mit Vertretern des sudanesischen Militärrats und der Protestbewegung einen schnellen demokratischen Übergang in dem ostafrikanischen Land gefordert.

Oppositionspolitiker Esmat und Rebellenführer Jalab von der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLM-N) sind hochrangige Mitglieder des Protestbündnisses Allianz für Freiheit und Wandel und hatten beide an den Gesprächen mit Abiy teilgenommen. Esmat wurde den Angaben zufolge kurz nach dem Treffen, Jalab in der Nacht zu Samstag festgenommen.

Eine Gruppe bewaffneter Männer sei um 03.00 Uhr vor Jalabs Wohnsitz vorgefahren und habe ihn mitgenommen, sagte sein Berater Rashid Anwar der Nachrichtenagentur AFP. Auch der Sprecher der SPLM-N sei festgenommen worden. "Wir wissen nicht, wo sie festgehalten werden", fügte Anwar hinzu. SPLM-N-Vize Yasir Arman war tags zuvor festgenommen worden.

Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen den regierenden Generälen und der Protestbewegung hatte die Armee am Montag mit der Auflösung des zentralen Protestlagers vor dem Armeehauptquartier in der Hauptstadt Khartum begonnen. Nach Angaben des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte starben seitdem mehr als hundert Menschen. Das Geheimdienstministerium räumte den Tod von 61 Menschen ein, darunter rund 50 erschossene Zivilisten.

Äthiopiens Regierungschef Abiy erklärte am Freitag, die Armee müsse "die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung gewährleisten, und die politischen Kräfte müssen an die Zukunft des Landes denken". Beide Länder teilen sich eine lange gemeinsame Grenze.

Anführer der Protestbewegung im Sudan hatten zunächst Abiys Vermittlung begrüßt, betonten aber, neue Gespräche mit den Generälen könnten nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen, darunter die "Entfernung militärischer Elemente von den Straßen im ganzen Land" und eine internationale Untersuchung zur jüngsten Niederschlagung der Oppositionsproteste.

Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung übernommen. Mit dem Rat einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

Die SPLM-N liefert sich seit Jahren in den Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blauer Nil Gefechte mit der Armee. Der Militärrat hatte nach Baschirs Sturz gelobt, den Konflikt friedlich beizulegen.


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