06.06.2019, 14:21 Uhr

Berlin (AFP) Bahn untersucht Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Beraterverträgen

Deutsche-Bahn-Zentrale in Berlin. Quelle: AFP/Archiv/Tobias SCHWARZ (Foto: AFP/Archiv/Tobias SCHWARZ)Deutsche-Bahn-Zentrale in Berlin. Quelle: AFP/Archiv/Tobias SCHWARZ (Foto: AFP/Archiv/Tobias SCHWARZ)

Ehemalige Vorstandsmitglieder des Staatskonzerns betroffen

Die Deutsche Bahn untersucht Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Beraterverträgen im Unternehmen. Davon seien auch ehemalige Konzernvorstände betroffen, teilte die Bahn am Donnerstag in Berlin mit. Es geht demnach um den Zeitraum 2010 bis 2018.

Die Informationen zu den Auffälligkeiten stammen aus internen Untersuchungen, wie die Bahn erklärte. Diese seien noch nicht vollständig. Gleichwohl sei "nach ersten belastbaren Hinweisen" eine unabhängige externe Rechtsanwaltskanzlei beauftragt worden, die Untersuchungsergebnisse rechtlich zu bewerten.

Der Berichtsentwurf der Kanzlei liegt demnach "seit wenigen Tagen" vor und wird derzeit einer abschließenden Prüfung unterzogen und außerdem von Spezialisten für Compliance, also der Regeltreue von Unternehmen, untersucht.

Mittlerweile hat sich auch der Bundesrechnungshof eingeschaltet: "Wir haben Kenntnis, dass es Beraterverträge mit ehemaligen Vorständen gibt, und sind in dem Bereich prüferisch tätig", sagte ein Sprecher. Zum aktuellen Stand der Prüfung wollte er sich aber nicht äußern.

Wie der Sprecher erklärte, hat der Bundesrechnungshof nur Zugriff auf die gleichen Unterlagen wie der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns. Dieser war in der Sache Medienberichten zufolge aber bislang ahnungslos.

So sagte Aufsichtsrätin Kirsten Lühmann (SPD) dem Hessischen Rundfunk: "Ich habe von solchen Verträgen nichts gewusst". Und ein namentlich nicht genanntes Mitglied des Aufsichtsrats sagte der Rundfunkanstalt: "Die Verträge sind offenbar am Aufsichtsrat vorbei geschlossen worden, und das wäre ein außerordentlich gravierender Vorgang."

Der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns soll nun in der kommenden Woche zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Das Kontrollgremium werde dafür sorgen, dass der Sachverhalt "ohne Ansehen der Personen vollständig aufgeklärt wird", kündigte Aufsichtsratschef Michael Odenwald an.

Zugleich betonte der Konzern, dass es für Schlussfolgerungen jeder Art zu diesem Zeitpunkt noch zu früh sei. Sobald eine abschließende Bewertung vorliege, werde die Bahn dies mitteilen.

Der Zeitraum der Vorgänge fällt größtenteils in die Amtszeit von Rüdiger Grube als Vorstandschef. Dieser leitete den Konzern von Mitte 2009 bis Anfang 2017. Danach übernahm Richard Lutz den Chefposten.

Dieser sei aber auch nicht unbelastet, wie der FDP-Verkehrsexperte Torsten Herbst dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" sagte: "Richard Lutz war seit 2010 Finanzvorstand bei der Bahn. Sein Stuhl wackelt jetzt kräftig."

Die Bahn stand in der Vergangenheit bereits häufiger wegen hoher Kosten für Beraterverträge in der Kritik. Medienberichten zufolge zahlte der Staatskonzern zwischen 2015 und 2018 mehr als 500 Millionen Euro an Beratungsfirmen. Der Konzernvorstand hatte den Berichten zufolge deshalb für dieses Jahr eine Deckelung der Beraterkosten beschlossen.


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