06.06.2019, 09:38 Uhr

Köln (AFP) Roboterarm von Nasa-Lander soll deutschem Marsmaulwurf beim Hämmern helfen

Robotischer Arm des "InSight"-Landers. Quelle: NASA/JPL-CALTECH/AFP/Archiv/HO (Foto: NASA/JPL-CALTECH/AFP/Archiv/HO)Robotischer Arm des "InSight"-Landers. Quelle: NASA/JPL-CALTECH/AFP/Archiv/HO (Foto: NASA/JPL-CALTECH/AFP/Archiv/HO)

Mangelnder Halt im Marsboden offenbar Ursache für Probleme der Rammsonde HP3

Die Zwangspause des deutschen Maulwurfs auf dem Mars soll bald ein Ende haben: Experten entwickelten eine neue Strategie für die seit Februar still stehende Rammsonde HP3 der Nasa-Marsmission "InSight", wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln mitteilte. Der Roboterarm des Nasa-Landers, neben dem HP3 auf der Marsoberfläche steht, soll demnach dem Marsmaulwurf beim Hämmern helfen.

Die mit einer Hammervorrichtung ausgestattete HP3-Sonde war Ende Februar nur etwa 30 Zentimeter tief in den Marsboden eingedrungen - dabei soll sie sich zu fünf Meter tief in die Oberfläche des Roten Planeten vorarbeiten, um Temperatur und Wärmeleitfähigkeit des Untergrundmaterials zu messen. Diese Daten sollen zu einem besseren Verständnis von Entstehung und Entwicklung erdähnlicher Körper beitragen. Nach 30 Zentimetern aber war erst einmal Schluss für den Marsmaulwurf.

Um die Ursache der unerwarteten Probleme bei der Wühlarbeit der Sonde auf unserem Nachbarplaneten zu erkunden, nahmen Experten in den vergangenen Wochen Tests mit dem Maulwurf auf dem Mars und mit Nachbauten der Rammsonde beim DLR in Deutschland und am Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena im US-Bundesstaat Kalifornien vor.

"Ziemlich sicher sind wir uns mittlerweile, dass dem Maulwurf der mangelnde Halt im Boden zu schaffen macht", erklärte der wissenschaftliche Leiter des HP3-Experiments, Tilman Spohn. Dies liege offenbar daran, dass "die Reibung des umgebenden Regoliths unter der geringeren Schwerkraft des Mars deutlich schwächer ausfällt als erwartet", fügte der Wissenschaftler vom DLR-Institut für Planetenforschung hinzu.

Seitlicher Halt und Reibung sind aber wichtig für den Maulwurf, weil der bei jedem Schlag erzeugte Rückstoß durch Reibung am Marsboden aufgefangen werden muss. Allerdings kann laut DLR auch weiterhin nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass die Rammsonde bei ihren ersten Wühlarbeiten auf einen Stein traf.

Die Wissenschaftler und Ingenieure der "InSight"-Mission planen nun, eine auf dem Maulwurf sitzende Stützstruktur mit dem Roboterarm des Nasa-Landers wegzuheben. Von dem Gehäuse befreit, könnte die neben dem Lander stehende Rammsonde beim weiteren Hämmern direkt mit dessen robotischem Arm unterstützt werden.

"Wir planen den Roboterarm zu nutzen, um nah am Maulwurf auf den Boden zu drücken", erläuterte Spohn. "Durch die zusätzliche Last erhöht sich der Druck auf den Maulwurf und damit die Reibung an seiner Außenwand. Unsere Berechnungen am DLR zeigen, dass wir nahe an das Gerät heranmüssen. Unmittelbar über dem Maulwurf, der ja etwas schräg im Boden sitzt, und nahe dran ist die Wirkung am größten."

Die in Deutschland gebaute HP3-Sonde hatte Ende November mit dem "InSight"-Lander auf dem Mars aufgesetzt. Im Zuge der Nasa-Mission sollen Entwicklung, Struktur und physikalische Eigenschaften von Kruste, Mantel und Kern unseres Nachbarplaneten erforscht werden.


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