05.06.2019, 12:25 Uhr

Berlin (AFP) DIW-Studie: Geringverdiener profitieren weniger von eingezahlten Rentenbeiträgen

Rentner in Sachsen-Anhalt. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Wolf (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Wolf)Rentner in Sachsen-Anhalt. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Wolf (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Wolf)

VdK bekräftigt Forderung nach gerechten Renten - SPD nennt Studie "alarmierend"

Geringverdiener sterben in der Regel früher als Besserverdienende und profitieren somit weniger von ihren eingezahlten Rentenbeiträgen. "Die Ungleichheit im gesetzlichen Rentensystem steigt", lautet das Fazit einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Ergebnisse sprächen für eine Aufwertung geringer Rentenansprüche, "um die Verhältnismäßigkeit wiederherzustellen und das Altersarmutsrisiko zu senken". Der Sozialverband VdK sieht sich in seiner Forderung nach gerechten Renten bestätigt.

"Menschen mit niedrigem Lebenslohneinkommen beziehen also nicht nur weniger, sondern auch kürzer Rente, was dem Äquivalenzprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung widerspricht", sagte Studienautor Holger Lüthen. "Und diese Ungleichheit steigt." Die Idee des Äquivalenzprinzips sei, dass jeder relativ zu seinen eingezahlten Beiträgen gleich viel aus der Rentenversicherung bekomme. Dies basiere allerdings auf der Annahme, dass die Lebenserwartung innerhalb eines Jahrgangs gleich sei und sich nicht nach Einkommen unterscheide.

Durch die tatsächlich festgestellten unterschiedlichen Lebenserwartungen werde dieses Prinzip aber unterlaufen. Menschen aus den unteren Lohngruppen erhielten überproportional weniger Rentenzahlungen im Verhältnis zu den eingezahlten Beiträgen. "Und der Abstand bei den Lebenserwartungen zu den Besserverdienenden nimmt auch noch zu", so die Studie.

Die DIW-Ökonomen Lüthen, Peter Haan und Daniel Kemptner untersuchten anhand der Administrativdaten der Deutschen Rentenversicherung, wie sich die Lebenserwartungen verschiedener Geburtsjahrgänge im Verhältnis zu den Lebenslohneinkommen im Zeitverlauf entwickeln und welche Verteilungswirkungen das für die Rente hat.

Die Ergebnisse machten deutlich, dass das Äquivalenzprinzip in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht gelte "und nicht als Argument gegen eine Aufwertung von geringen Rentenansprüchen überzeugt", konstatierte Studienautor Haan. "Im Gegenteil, unsere Ergebnisse sprechen für eine Aufwertung. Das würde auch der Altersarmut vorbeugen." Die derzeit diskutierte Grundrente – unabhängig von der Frage einer Bedürftigkeitsprüfung – wäre dabei eine Möglichkeit.

Allerdings sollte das Armutsproblem nicht nur über die Rentenversicherung aufgefangen werden, gaben die Autoren zu bedenken. "Als gesamtgesellschaftliche Herausforderung wäre es auch denkbar, steuerliche Hebel in Bewegung zu setzen, um nicht einseitig die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu belasten."

Der Sozialverband VdK sieht sich durch die Studie in seinen Forderungen nach gerechten Renten bestätigt. Das Rentenniveau müsse "dauerhaft bei 50 Prozent stabilisiert und geringe Renten aufgewertet werden", forderte Verbandspräsidentin Verena Bentele. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters dürfe es nicht geben. Auch die Abschläge auf Erwerbsminderungsrenten "müssen weg", so Bentele.

SPD-Fraktionsvize Katja Mast nannte die Ergebnisse der Studie "alarmierend". "Wir müssen beim Thema Rente die Lebenserwartung gekoppelt mit dem Lebenseinkommen mitdenken", erklärte sie. Die Grundrente der SPD setze auch hier an. "Denn Menschen mit langjährigen Beiträgen und geringem Lebenseinkommen werden besser gestellt", so Mast. Das stelle Leistungsgerechtigkeit her.


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