03.06.2019, 10:40 Uhr

München (AFP) Infineon will US-Konkurrenten Cypress für neun Milliarden Euro kaufen

Zentrale von Infineon in Neubiberg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk (Foto: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk)Zentrale von Infineon in Neubiberg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk (Foto: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk)

Chiphersteller will unter anderem Internet der Dinge weiter ausbauen

Der bayerische Chiphersteller Infineon will seinen US-Konkurrenten Cypress übernehmen und dafür rund neun Milliarden Euro zahlen. Die Übernahme erschließe dem Konzern "große zusätzliche Wachstumspotenziale in den Bereichen Automobil, Industrie und Internet der Dinge", erklärte Infineon-Chef Reinhard Ploss am Montag. Cypress' Produktportfolio ergänze Infineon "optimal". Die Aktionäre von Cypress sowie die Kartellbehörden müssen der Übernahme aber noch zustimmen.

Infineon biete 23,85 Dollar pro Aktie, teilte der Chiphersteller mit, das ist ein Aufschlag von 46 Prozent auf den 30-tägigen Durchschnittskurs bis 28. Mai. Darauf hätten sich beide Seiten bereits in einem schriftlichen Vertrag geeinigt. Die Übernahme könnte "Ende 2019 oder Anfang 2020" abgeschlossen werden.

"Wir werden unseren Kunden das umfassendste Portfolio für die Verbindung der realen mit der digitalen Welt anbieten", warb Ploss für die Übernahme. Bezahlen will er Cypress "letztlich" zu 30 Prozent mit neuem Eigenkapital, neuem Fremdkapital und "vorhandenen Barmitteln". Die Anleger zeigten sich davon wenig begeistert: Die Infineon-Aktie sackte am Vormittag um mehr als sechs Prozent ab auf 15,04 Euro.

Infineon stellt Halbleiter, Sensoren und Sicherheitslösungen her. Das Unternehmen mit Sitz in Neubiberg bei München war bis 1999 Teil von Siemens. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 7,6 Milliarden Euro, womit der Dax-Konzern deutlich hinter der Konkurrenz wie Intel, Micron, Qualcomm, Broadcom oder Samsung liegt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr musste Infineon angesichts der globalen Wirtschaftsentwicklung zweimal seine Prognose nach unten korrigieren, der Aktienkurs verlor binnen zwölf Monaten rund ein Drittel an Wert.

Cypress baut Speicherchips, Mikrocontroller, die elektrische Geräte steuern, Komponenten für drahtlose Datenübertragung sowie Software. Die Firma hat ihren Sitz im kalifornischen San José und konnte ihren Umsatz seit Ende 2014 auf 2,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr mehr als verdreifachen. Das Unternehmen kaufte 2016 die Sparte "Internet der Dinge" von Qualcomm.

Durch die Übernahme würde Infineon eigenen Angaben zufolge zur weltweiten Nummer acht der Chiphersteller aufsteigen. Das Unternehmen verspricht sich von der Übernahme von Cypress bereits bis 2022 Einsparungen in Höhe von jährlich 180 Millionen Euro. Langfristig mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr erwartet der Konzern an Umsatzsynergien - also höhere Umsätze durch "zusätzliche Angebote von Chip-Lösungen". Schon ab dem ersten Jahr nach der Fusion rechnet Infineon mit einer Umsatzsteigerung von neun Prozent.

Mit der Übernahme will Infineon auch seine Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt ausbauen. Bislang sind die Bayern eher von China abhängig, wo sie ein Viertel ihres Umsatzes machen.


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