27.05.2019, 10:00 Uhr

Paris (AFP) Fiat Chrysler und Renault wollen zum drittgrößten Autobauer der Welt fusionieren

Logos von Fiat und Renault . Quelle: AFP/Archiv/MARCO BERTORELLO, LOIC VENANCE (Foto: AFP/Archiv/MARCO BERTORELLO, LOIC VENANCE)Logos von Fiat und Renault . Quelle: AFP/Archiv/MARCO BERTORELLO, LOIC VENANCE (Foto: AFP/Archiv/MARCO BERTORELLO, LOIC VENANCE)

Anleger begeistert - Französischer Staat als Anteilseigner dafür

Die beiden Autokonzerne Fiat Chrysler und Renault prüfen ihre Fusion zum drittgrößten Autobauer der Welt. Der US-italienische Autobauer Fiat Chrysler (FCA) machte das Angebot am Montag offiziell, der Verwaltungsrat des französischen Konkurrenten Renault bekundete sein "Interesse" an einer Fusion. Eine Entscheidung werde aber erst "in Tagen oder Wochen erwartet", verlautete am Sitz von Renault in Boulogne Billancourt bei Paris. Die Anleger reagierten begeistert.

Dem FCA-Vorschlag zufolge würden beide Autobauer jeweils die Hälfte am fusionierten Unternehmen besitzen. Es würde jährlich rund 8,7 Millionen Autos produzieren und damit zum drittgrößten Autobauer weltweit nach Volkswagen und Toyota aufsteigen. Das Angebot der beiden Unternehmen sei groß und ergänze sich, ein Zusammenschluss erlaube eine "komplette Marktabdeckung vom Luxussegment bis zum Massenmarkt".

Renault mit den Marken Dacia, Samsung und Lada verkauft seine Fahrzeuge vor allem in Europa - in den USA, dem zweitgrößten Automarkt der Welt, ist der Autobauer gar nicht vertreten. Auch auf dem weltgrößten Markt China ist Renault kaum sichtbar.

FCA dagegen ist in Europa schwach aufgestellt, der Konzern mit den Marken Jeep, RAM und Dodge verkauft vor allem in Nordamerika und in Mexiko seine Geländewagen und Pick-ups, die gute Gewinne abwerfen. Elektroautos hat FCA gar nicht im Angebot.

Ein fusionierter Konzern würde "ein weltweit führender Anbieter in einem Markt, der sich rapide wandelt, mit einer starken Position bei neuen Technologien wie E-Autos und autonome Autos", unterstrich FCA die Vorteile der Fusion. Arbeitsplätze seien durch die geplante Fusion nicht in Gefahr, versicherte das Unternehmen: Es seien keine Werksschließungen geplant. FCA rechnet demnach mit Einsparungen von jährlich fünf Milliarden Euro.

Berichte über eine mögliche Fusion hatte es bereits am Wochenende gegeben. Vorgespräche zwischen den beiden Konzernen sollen bereits unter dem früheren Renault-Chef Carlos Ghosn begonnen haben. Gegen den einstigen Vorzeigemanager läuft derzeit in Japan ein Verfahren wegen finanziellen Fehlverhaltens. Ghosns Verhaftung hatte die Beziehungen zwischen Renault und seinem japanischen Partner Nissan belastet.

Ghosn hatte aus der Allianz mit Nissan eine Fusion mit gleichen Anteilen machen wollen. Nissan lehnt das ab, der japanische Konzern fühlt sich in einer 50-50-Holding unterbewertet. Die geplante Fusion "lässt die Tür für Nissan offen", hieß es am Montag aus Verhandlungskreisen. Renault besitzt 43 Prozent an Nissan, die Japaner halten 15 Prozent an Renault.

Sollte Nissan mit von der Partie sein, entstünde sogar der mit Abstand größte Autobauer der Welt mit einer jährlichen Produktion von fast 16 Millionen Fahrzeugen. Nissan ist stark in Asien, vor allem in China.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer verwies auf "jede Menge an Empfindlichkeiten und Komplexitäten". Für ihn sieht es "eher danach aus, als würde Renault seinen eigenen Weg mit FCA gehen".

FCA schlägt vor, das fusionierte Unternehmen nach niederländischem Recht zu organisieren. Notiert wäre es an den Börsen in Paris, Mailand und New York. Aus Verhandlungskreisen verlautete, FCA-Verwaltungsratspräsident John Elkann könnte diese Position auch im neuen Unternehmen bekommen, Konzernchef würde dann Jean-Dominique Senard.

Die Anleger honorierten die Pläne der Autobauer mit starken Kursaufschlägen. Nach Öffnung der Börsen schoss der Kurs von FCA um rund 18 Prozent nach oben, der von Renault um mehr als 15 Prozent. Gegen Mittag notierte der FCA-Kurs bei zehn Prozent im Plus, der von Renault bei 13 Prozent.

Eine Sprecherin der französischen Regierung sagte in Paris, der französische Staat, mit rund 15 Prozent Großaktionär von Renault, sei für die Fusion. Außerhalb Europas entstünden sehr große Konzerne, "notwendig ist es heute, dass Giganten in Europa entstehen". Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sei bereits in der vergangenen Woche über die Pläne informiert worden. Der italienische Innenminister Matteo Salvini nannte eine Fusion eine "brillante Unternehmung".


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