23.05.2019, 09:38 Uhr

Düsseldorf (AFP) "Handelsblatt": 300 Namen auf Monsanto-Kritikerliste in Deutschland

Logo von Bayer . Quelle: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN)Logo von Bayer . Quelle: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN)

Bayer will Bericht nicht kommentieren - Betroffene sollen informiert werden

Auf den vom US-Saatgutkonzern Monsanto erstellten Listen mit Kritikern sind laut einem Zeitungsbericht für Deutschland rund 300 Namen von Politikern, Journalisten und Umweltschützern aufgeführt. Das berichtete das "Handelsblatt" am Donnerstag unter Berufung auf Branchenkreise. Monsanto-Eigentümer Bayer wollte dazu nicht Stellung nehmen. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die mit Nachforschungen beauftragte Kanzlei Sidley Austin.

Bayer hatte am Dienstag mitgeteilt, die PR-Agentur Fleishman Hillard habe für Monsanto in sieben europäischen Ländern Listen mit Kritikern zusammengestellt, darunter auch in Deutschland. Dazu kommen Kritiker "im Umfeld der EU-Institutionen". Die Betroffenen sollen bis "spätestens Ende der kommenden Woche" kontaktiert werden.

Anfang Mai war in Frankreich bekannt geworden, dass Fleishman Hillard im Auftrag Monsantos geheime Listen mit Kritikern führte. Laut einem Bericht des Senders France 2 wollte Monsanto die Kritiker "erziehen", besonders hartnäckige Gegner sogar "überwachen". Bayer entschuldigte sich.

Das "Handelsblatt" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Unternehmenskreise auch, dass es beim Umgang mit den Listen "Verwerfungen" zwischen der Bayer-Führung und der oberen Managementebene von Monsanto gebe. Auf einem Führungskräftetreffen der Sparte Crop Science hätten Monsanto-Manager Unverständnis darüber gezeigt, dass Bayer die Aufklärung der Affäre vorantreibe, und teils mit Rücktritt gedroht.

Ein Bayer-Sprecher sagte dem "Handelsblatt" dazu, dass es zu den Listen "selbstverständlich intern Diskussionen und auch unterschiedliche Positionen" gebe. "Alles andere wäre bei einem solchen Vorgang ungewöhnlich."

Bayer hatte Monsanto vergangenes Jahr für 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) gekauft. Der US-Konzern steht bei Umweltschützern seit Jahren in der Kritik, weil er einer der führenden Anbieter gentechnisch veränderten Saatguts sowie glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel ist. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer weist das zurück.


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