20.05.2019, 08:24 Uhr

Wiesbaden (AFP) Zahl der genehmigten Wohnungen im ersten Quartal um 2,8 Prozent gesunken

Wohnanlage in München. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Sven Hoppe (Foto: dpa/AFP/Archiv/Sven Hoppe)Wohnanlage in München. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Sven Hoppe (Foto: dpa/AFP/Archiv/Sven Hoppe)

Nur bei Einfamilienhäusern verzeichnen Statistiker mehr Baugenehmigungen

Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent auf 75.600 Wohnungen gesunken. Bei Neubauwohnungen belief sich der Rückgang von Januar bis März sogar auf 3,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Demnach wurden in neu zu errichten Wohngebäuden rund 65.700 Wohnungen genehmigt, 2300 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum.

Eine Zunahme verbuchten die Statistiker lediglich bei der Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser - sie stieg um 2,3 Prozent. Dagegen sank die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser um 4,0 Prozent und die Zahl der genehmigten Mehrfamilienhäuser um 4,4 Prozent.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie äußerte sich enttäuscht. "Insbesondere die Genehmigungen von neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind zurückgegangen - und hier herrscht vor allem in den Großstädten weiterhin Mangel", erklärte Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel. "Den Wohnungsbau kurbelt man nicht an, indem man ständig über Enteignung und das Einfrieren der Mieten diskutiert. Hiermit erreicht man nur das Gegenteil - die Investoren ziehen sich zurück."

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) bezeichnete die sinkenden Baugenehmigungszahlen als "fatale Folge einer verfehlten Wohnungspolitik von Bund, Ländern und Kommunen". "Mit ihrem falschen Fokus auf das Mietrecht läuft die Bundesregierung aber weiter in eine Sackgasse, statt umzudrehen und Kurs auf mehr Neubau zu nehmen", kritisierte der BFW-Präsident Andreas Ibel. "So werden die Schlangen vor den Wohnungsbesichtigungen auch künftig nicht kürzer."

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW warnte angesichts der Zahlen, der Wohnungsmangel in Deutschland werde zur Dauersituation. Die Entwicklung sei ein "Alarmsignal für die Zukunft des bezahlbaren Wohnens", erklärte der GdW-Präsident Axel Gedaschko. Notwendig seien unter anderem dauerhafte steuerliche Verbesserungen für den Wohnungsbau und eine "aktive und vorausschauende Liegenschafts- und Bodenpolitik der Städte und Kommunen".

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) als der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft wertete die Zahlen als Beleg dafür, dass das Wohnungswachstum mit steigender Regulierung sinke. "Wir müssen endlich die Baugenehmigungszahlen deutlich nach oben treiben und Planungsprozesse beschleunigen -etwa durch die Einführung einer digitalen Bauakte, die Einführung einer Muster-Hochhausrichtlinie oder die Harmonisierung der 16 unterschiedlichen Landesbauordnungen, um das serielle Bauen zu fördern", forderte der ZIA-Präsident Andreas Mattner.


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