15.05.2019, 10:27 Uhr

Bonn (AFP) Deutsche greifen beim Telefonieren lieber zum Handy als zum Festnetz

Frau wählt auf altem Telefon mit Wählscheibe. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jan-Philipp Strobel (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jan-Philipp Strobel)Frau wählt auf altem Telefon mit Wählscheibe. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jan-Philipp Strobel (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jan-Philipp Strobel)

Bundesnetzagentur: Festnetzanrufe seit Jahren rückläufig

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr erstmals mehr über das Handy als übers Festnetz telefoniert. Wie aus dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur hervorgeht, der der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlag, wurden 2018 noch etwa 107 Milliarden abgehende Gesprächsminuten über das Festnetz geführt. Über Mobilfunk gingen wiederum 119 Milliarden Minuten ab. 2017 hatte die Mobilfunknutzung noch bei 116 Milliarden Minuten und die Festnetznutzung bei 118 Milliarden Minuten gelegen.

Obwohl die Anzahl der Festnetzanschlüsse zwischen 2014 und 2018 sogar von 37,5 auf 38,8 Millionen gewachsen ist, nehmen die Bundesbürger ihren Höher immer seltener in die Hand. Seit 2014 ist das Gesprächsvolumen um ein Drittel gesunken.

Umgekehrt ist die Zahl der SIM-Karten für Mobiltelefone seit 2014 von 112,6 Millionen auf 137,0 Millionen gestiegen. Statistisch entfallen damit auf jeden Einwohner rund 1,7 Karten. Während sich das Datenvolumen von 395 Millionen Gigabyte auf fast zwei Milliarden Gigabyte verfünffacht hat, hat sich die Zahl der SMS von 22,3 Milliarden auf 8,9 Milliarden mehr als halbiert. Die SMS wird damit zunehmend von internetbasierten Messengerdiensten wie Whatsapp oder Telegram ersetzt.

Gleichzeitig wird die Mobilfunknutzung immer günstiger. Im Jahr 2018 lag der monatliche Umsatzerlös der Mobilfunkanbieter pro registrierter SIM-Karte bei etwa 11,8 Euro - 2012 waren es noch 13,8 Euro. Das in diesem Betrag durchschnittlich enthaltene Datenvolumen hat sich seit 2012 mehr als verzehnfacht.

Seitdem Verbraucher ihren inländischen Mobilfunktarif zu gleichen Konditionen auch im EU-Ausland nutzen können, hat auch die Nutzung des Roamings deutlich zugenommen. Während die im Ausland abgehenden Verbindungsminuten 2018 gegenüber dem Vorjahr von 2,6 Milliarden auf 2,9 Milliarden zunahmen, hat sich der im Ausland generierte Datenverkehr von 33,8 Millionen Gigabyte auf 66,4 Millionen Gigabyte annähernd verdoppelt.

Fortschritte machten die Anbieter beim Netzausbau. Bei der auf Einwohner bezogenen LTE-Netzabdeckung erreichte Ende 2018 die Deutsche Telekom 98 Prozent, Vodafone 93 Prozent und Telefónica (O2) 88 Prozent. Bei allen Anbietern ist das eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr.

Damit nähern sich die drei Anbieter den Auflagen, die die Bundesnetzagentur für die laufende Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen des neuen Standards 5G gemacht hat. Die Behörde fordert unter anderem, dass die erfolgreichen Bieter bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen müssen. Diese Geschwindigkeiten sind auch mit dem aktuellen LTE-Standard erreichbar.


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