14.05.2019, 10:20 Uhr

München (AFP) Der Urvogel Archaeopteryx hat überraschend Konkurrenz bekommen

Fossil des Alcmonavis poeschli. Quelle: dpa/AFP/O. Rauhut (Foto: dpa/AFP/O. Rauhut)Fossil des Alcmonavis poeschli. Quelle: dpa/AFP/O. Rauhut (Foto: dpa/AFP/O. Rauhut)

Forscher weisen an Fossil zweiten flugfähigen Vogel aus Zeit des Jura nach

Der bisher als einziger flugfähiger Vogel seiner Zeit geltende Urvogel Archaeopteryx hat überraschend Konkurrenz bekommen. Forscher wiesen anhand eines als Fossil gefundenen Flügels die Existenz eines zweiten flugfähigen Vogels aus der erdgeschichtlichen Periode des Jura nach, wie die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität am Dienstag mitteilte. Getauft wurde der mutmaßlich höher entwickelte Vogel auf den Namen Alcmonavis poeschli.

Das erste Fossil des Archaeopteryx war 1861 entdeckt worden. Als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln belegt der etwa 150 Millionen Jahre alte Urvogel, dass die heutigen Vögel direkte Nachfahren von Raubdinosauriern sind. Der bei dem neuen Fund leitende Forscher Oliver Rauhut erklärte zur Bedeutung des Funds, dieser weise "darauf hin, dass die Diversität der Vogelwelt im oberen Jura größer war als bislang bekannt".

Wie der Archaeopteryx wurden die Überreste des Alcmonavis poeschli auch im Altmühltal gefunden, das vor 150 Millionen Jahren eine subtropische Lagunenlandschaft war und heute an verschiedenen Ausgrabungssteinbrüchen ein Eldorado für Fossiliensucher ist. Der Flügel sei zunächst als Teil eines Archaeopteryx angesehen worden. "Es sind Ähnlichkeiten da, aber seine fossilen Reste lassen vermuten, dass es sich um einen etwas höher entwickelten Vogel handelt", erklärte Rauhut.

Die gerade im Fachmagazin "eLife" veröffentlichte Studie zeige, dass der Alcmonavis poeschli nicht nur etwas größer als der Archaeopteryx gewesen sei. Er konnte offenbar auch besser fliegen. "Muskelansatzstellen am Flügel deuten auf ein verbessertes Flugvermögen hin." Er habe mehrere Merkmale, die der Archaeopteryx nicht habe, jüngere Vögel aber schon. Diese würden auf eine bessere Anpassung an den aktiven Flatterflug hindeuten.

Wie der an der Studie beteiligte Schweizer Forscher Christian Foth erklärte, bringt der Fund damit neuen Schwung in die Debatte, ob der Vogelflug über den Gleitflug entstand. "Seine Anpassungen zeigen, dass die Evolution des Flugs relativ schnell vorangeschritten sein muss", erklärte Foth.

Seinen Namen verdankt der Vogel dem alten keltischen Namen der Altmühl, Alcmona, und seinem Entdecker Roland Pöschl. Pöschl leitet die Ausgrabungen im Steinbruch am Schaudiberg bei Mörnsheim. In denselben Plattenkalkablagerungen sei auch ein weiteres Fossil eines Archaeopteryx entdeckt worden. Die beiden Urvögel hätten also offenbar parallel gelebt.


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