14.05.2019, 13:59 Uhr

Detmold (AFP) Landgericht Detmold prüft erste Anklagen gegen zwei Beschuldigte im Fall Lügde

Campingplatz Eichwald in Lügde. Quelle: dpa/AFP Picture Alliance/Archiv/Friso Gentsch (Foto: dpa/AFP Picture Alliance/Archiv/Friso Gentsch)Campingplatz Eichwald in Lügde. Quelle: dpa/AFP Picture Alliance/Archiv/Friso Gentsch (Foto: dpa/AFP Picture Alliance/Archiv/Friso Gentsch)

Bericht: Staatsanwaltschaft geht in Anklageschrift von rund 300 Taten aus

Erste Anklagen im Missbrauchsfall Lügde: Dreieinhalb Monate nach ersten Behördenmitteilungen über den mehr als tausendfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in der ostwestfälischen Stadt hat die Staatsanwaltschaft Detmold zwei Männer angeklagt. Dazu zählt auch der Hauptbeschuldigte, wie das Landgericht Detmold am Dienstag mitteilte. Laut "Rheinischer Post" soll es zunächst um rund 300 Fälle sexuellen Missbrauchs gehen.

Nach Angaben des Detmolder Gerichts veranlasst die zuständige Jugendschutzkammer nun die Zustellung der Anklageschrift an die Angeschuldigten und wird dann prüfen, ob die Anklagen zur Hauptverhandlung zugelassen werden. Über den Inhalt der Anklage will das Gericht nach deren Zustellung informieren.

Wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf Justizkreise berichtete, werden von den rund 300 Missbrauchsfällen in der Anklageschrift etwa 230 als schwer eingestuft. Als Geschädigte würden 21 Kinder und Jugendliche genannt. Ihre Aussagen bilden demnach auch den Kern der Anklage.

Wie Nord- und Westdeutscher Rundfunk sowie "Süddeutsche Zeitung" berichteten, klagte die Staatsanwaltschaft neben dem 56-jährigen mutmaßlichen Haupttäter Andreas V. auch einen 49-jährigen Heiko V. an. Er soll demnach zweimal per Livechat am Missbrauch teilgenommen und diesen auch bestellt haben. Die beiden Männer sowie ein weiterer Verdächtiger sitzen in Untersuchungshaft.

Zuvor hatte das "Westfalen-Blatt" über Einzelheiten aus der Ermittlungsakte berichtet. Nach Informationen des Blatts waren einige Vergewaltigungsopfer noch kleine Kinder. Aus der Akte ergebe sich außerdem, dass missbrauchte Kinder auf dem Campingplatz gezwungen worden sein sollen, an anderen Kindern schwerste Sexualstraftaten vorzunehmen. Sie seien dabei von dem Hauptverdächtigen dirigiert worden, der die Taten auch aufgenommen haben soll.

Die Missbrauchsserie von Lügde im Kreis Lippe war Ende Januar bekannt geworden. Bislang sind 41 Opfer identifiziert. Die meisten der betroffenen Kinder waren zur Tatzeit zwischen drei und 14 Jahre alt. Sie sollen auf dem Campingplatz Eichwald über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren missbraucht worden sein. Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt acht Beschuldigte.

Derweil berichtete die "Rheinische Post" von Unmut innerhalb der Polizei über die Konzentration von Ermittlungskräften auf den Komplex Lügde. Die polizeilichen Ermittlungen in diesem Fall gefährdeten offenbar die Aufklärung anderer Sexualdelikte in Nordrhein-Westfalen, schrieb die Zeitung.

Demnach klagten mit anderen Fällen befasste Ermittler, dass sie bei ihrer Arbeit nicht voran kämen, weil die inzwischen auf 76 Mann aufgestockte Ermittlungskommission Eichwald zu viele Kapazitäten binde. Der nordrhein-westfälische Chef des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, sagte dem Blatt: "Es stimmt, dass die Konzentration von Spezialisten auf den Fall Lügde die Ermittlungen von anderen Sexualdelikten in Nordrhein-Westfalen verzögert."


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