14.05.2019, 04:18 Uhr

Berlin (AFP) Greenpeace-Chefin: Merkel muss bei Klima wieder Führung zeigen

Rasche Schritte zu Kohleausstieg und CO2-Neutralität gefordert

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan hat vor dem Auftritt von Angela Merkel (CDU) am Vormittag auf dem Petersberger Klimadialog die Bundeskanzlerin aufgefordert, beim Klima wieder Führungsstärke zu zeigen. "Deutschland muss wieder Führung übernehmen, statt dass es zur beschämenden Gruppe in der EU gehört, die blockiert", sagte Morgan am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Zudem drängte sie auf einen raschen Kohleausstieg und Treibhausgasneutralität möglichst bereits 2040.

Es gebe "einen Klimanotstand" und dazu müsse sich die Kanzlerin auch bekennen, forderte die Leiterin von Greenpeace International, die sich derzeit in Südkorea aufhält. "Wir erwarten, dass vor der Sommerpause in Deutschland ein Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht wird und ein Vorschlag für ein Kohleausstiegsgesetz vorliegt, damit die dreckigsten Braunkohlemeiler zügig vom Netz gehen", sagte Morgan weiter. "Das wäre ein wichtiges Signal an die internationale Gemeinschaft."

Den Vorstoß von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die EU solle sich zum Erreichen von Treibhausgasneutralität bis 2050 verpflichten, lobte Morgan als "einen Schritt in die richtige Richtung". Allerdings sei Greenpeace der Ansicht, "dass dies bis 2040 stattfinden" sollte. Auf jeden Fall müsse Merkel aber in ihrer Rede vor den Teilnehmern des Petersberger Klimadialogs ein Signal setzen, "dass Deutschland bereit ist, mit der EU ein ambitioniertes Klimaziel voranzubringen". Merkel unterstützt den Vorstoß Macrons bislang nicht.

Zur Debatte über eine CO2-Steuer äußerte sich Morgan zurückhaltend. Ein höherer Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen könne zwar hilfreich sein, wäre "aber nicht genug, um die Klimaziele zu erreichen". Sinnvoller seien konkrete Vorgaben für Emissionen: "Wir brauchen am dringendsten eine verbindliche Umsetzung von Sektorzielen im Energie-, Verkehrs- und Agrarbereich." In all diesen Bereichen müssten jetzt "konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht werden". Nur dann gebe es trotz langer Untätigkeit noch "eine Chance, die Klimaziele zu erreichen".

Auch international müsse es mehr Ehrgeiz geben, sagte Morgan mit Blick auf die im Dezember anstehende nächste UN-Klimakonferenz in Chile, deren Vorbereitung der Petersberger Klimadialog dienen soll. "Es ist wichtig, dass die Länder bis 2020 ihre nationalen Verpflichtungen erhöhen, wie viele Emissionen sie einsparen werden", sagte die Greenpeace-Chefin weiter zu AFP.

Alle müssten jetzt zeigen, dass sie den Bericht des UN-Klimarats IPCC verstanden hätten, wonach erhebliche zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind, um die Erderwärmung gemäß den Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, forderte Morgan. Und sie müssten auch zeigen, dass sie "die Forderungen der weltweit demonstrierenden Schüler von Fridays for Future verstanden haben" und entsprechend "ihre Ambitionen erhöhen".

Beim Petersberger Klimadialog beraten seit Montag in Berlin rund 35 Minister aus aller Welt über die Umsetzung des Pariser Abkommens und die Vorbereitung der nächsten UN-Klimakonferenz. Dazu soll auch die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt sprechen. Vor der UN-Konferenz im Dezember ist zudem im September ein UN-Gipfel zum Klimaschutz in New York geplant.


0 Kommentare