10.05.2019, 11:07 Uhr

Seoul (AFP) Nordkorea bestätigt zweiten Raketentest binnen weniger Tage


KCNA: Machthaber Kim ordnete Übung zu "Langstrecken-Angriff" an

Wenige Tage nach dem ersten Raketenabschuss seit November 2017 hat Nordkorea weitere Waffentests bestätigt. Machthaber Kim Jong Un habe eine Übung zu einem "Langstrecken-Angriff" beaufsichtigt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. "Auf dem Kommandoposten" habe Kim "die Anweisung zum Start der Übung gegeben". US-Präsident Donald Trump zeigte sich "nicht glücklich" über die erneuten Tests vom Donnerstag. Er stellte die Verhandlungsbereitschaft Pjöngjangs über das nordkoreanische Atomprogramm infrage.

KCNA machte keine Angaben dazu, welche Art von Waffen abgefeuert wurden. In der Mitteilung wurden Wörter wie Rakete, Geschoss oder Projektil vermieden. Die Übung sei "erfolgreich" gewesen, berichtete die Staatsagentur. Sie sei darauf ausgelegt gewesen, "die Fähigkeit zu schneller Reaktion der Verteidigungseinheiten" zu prüfen. Die Einheiten hätten ihre "Macht" bei dem Test unter Beweis gestellt. Mit einem möglichen Verweis auf weitere bevorstehende Tests berichtete KCNA, Kim habe "wichtige Aufträge auf den Weg gebracht, um die Schlagkraft der Verteidigungseinheiten weiter zu erhöhen".

Südkoreas Generalstab hatte am Donnerstag erklärt, Nordkorea habe zwei Raketen abgefeuert, bei denen es sich anscheinend um Kurzstreckenraketen gehandelt habe. Die Raketen seien vom nordkoreanischen Stützpunkt Kusong in der westlichen Provinz Pyongan in Richtung Osten abgeschossen worden. Südkoreas Präsident Moon Jae In bezeichnete die Tests als "Protest". Der Norden sei unzufrieden mit dem Verlauf der Atomwaffenverhandlungen mit den USA. Auch Trump sprach von "Kurzstreckenraketen".

Es war der zweite Waffentest innerhalb einer Woche. Ebenfalls unter der Aufsicht von Kim waren laut KCNA am Samstag vergangener Woche Langstrecken-Mehrfachraketenwerfer und taktische Lenkwaffen getestet worden.

"Niemand ist glücklich darüber", sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus zu den Tests. Seine Regierung schaue sich die Raketenabschüsse "sehr ernsthaft" an. "Wir werden sehen, was passiert", fügte der US-Präsident hinzu. "Ich weiß, sie wollen verhandeln, sie sprechen übers Verhandeln. Aber ich denke nicht, dass sie bereit zum Verhandeln sind", sagte er.

Das Auswärtige Amt forderte Pjöngjang auf, "jegliche Provokation zu unterlassen". Es verurteilte den zweiten ballistischen Raketentest Nordkoreas binnen fünf Tagen scharf. Es handele sich um "einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Verpflichtungen Nordkoreas" gegen UN-Resolutionen. Jeder Test stärke Zweifel an der Bereitschaft Pjöngjangs, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben.

Der Abschuss vom Donnerstag erfolgte während des Besuchs des US-Gesandten Stephen Biegun in Seoul. Dabei ging es um die festgefahrenen Gespräche mit den USA zum Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals. Es war der erste Besuch Bieguns in Seoul seit dem gescheiterten Gipfeltreffen Trumps mit Kim in Hanoi im Februar.

US-Behörden gaben derweil die Beschlagnahme eines nordkoreanischen Frachtschiffs bekannt. Die "Wise Honest" habe Kohle exportiert und schwere Maschinen importiert und damit das internationale Embargo gegen Nordkorea verletzt, teilte der US-Bundesanwalt Geoffrey Berman mit. Nach seinen Angaben ist es das erste Mal, dass ein nordkoreanisches Frachtschiff wegen Verstoßes gegen die Sanktionen beschlagnahmt wurde.


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