09.05.2019, 12:00 Uhr

Vatikanstadt (AFP) Papst führt Meldepflicht bei sexuellem Missbrauch für alle Geistlichen ein

Papst Franziskus am Mittwoch auf dem Petersplatz. Quelle: AFP/Archiv/Filippo MONTEFORTE (Foto: AFP/Archiv/Filippo MONTEFORTE)Papst Franziskus am Mittwoch auf dem Petersplatz. Quelle: AFP/Archiv/Filippo MONTEFORTE (Foto: AFP/Archiv/Filippo MONTEFORTE)

Striktere Regeln zum Umgang mit Missbrauch für die gesamte katholische Kirche

Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch hat Papst Franziskus am Donnerstag eine Meldepflicht für die gesamte katholische Kirche erlassen. Priester und andere Kleriker und Ordensleute müssen jeden Verdachtsfall und jede versuchte Vertuschung der Kirche melden, wie aus einem Dekret des Papstes hervorgeht. Alle Diözesen weltweit müssen zudem bis Juni 2020 Meldestellen für Missbrauchsfälle einrichten. Das Beichtgeheimnis soll allerdings gewahrt werden.

Die katholische Kirche wird seit Jahren von Missbrauchsskandalen erschüttert. Im Februar hatte der Papst bei einem Krisengipfel im Vatikan "konkrete und wirksame Maßnahmen" der Kirche gegen sexuellen Kindesmissbrauch gefordert. Das nun erlassene Dekret ist ein Ergebnis dieses Krisengipfels.

Das apostolische Schreiben "Vos estis lux mundi" (Ihr seid das Licht der Welt) schreibt unter anderem vor, dass alle Kleriker und Ordensleute "unverzüglich" alle Informationen über Missbrauch, von denen sie erfahren, ihren Vorgesetzten melden müssen. Wenn es beim Umgang mit Missbrauchsfällen zu Versuchen kommt, die Tat zu vertuschen oder den Täter zu decken, muss auch dies gemeldet werden.

Im März hatte der Papst bereits ein Gesetz für den Vatikan erlassen, mit dem eine Meldepflicht für Mitarbeiter des Vatikanstaats und der Kirchenverwaltung eingeführt wurde. Die neuen Regeln gelten nun für die gesamte Kirche. Es handele sich um "universell gültige Rechtsvorschriften", erklärte der Leiter der Kommunikationsabteilung im Vatikan, Andrea Tornielli. Eine Meldepflicht an staatliche Stellen wie die Polizei soll es aber nicht geben.

Bei den Meldestellen der Diözesen sollen sexueller Missbrauch durch Geistliche, Vertuschungsversuche und andere Delikte wie Kinderpornografie angezeigt werden können. Wie diese Anlaufstellen genau aussehen sollen, schreibt der Papst in seinem "Motu Proprio" genannten Schreiben nicht vor. Darüber sollen die Ortskirchen "gemäß den verschiedenen Kulturen und örtlichen Gegebenheiten" selbst entscheiden.

In dem päpstlichen Dekret geht es vor allem um sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen, aber auch um sexuelle Gewalt, bei der der "Missbrauch von Autorität" eine Rolle spielt - also etwa der Missbrauch von Nonnen durch Priester, den der Papst im Februar erstmals eingeräumt hatte.

Opferverbände verlangen vom Papst schon seit langem konkrete Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Sie fordern etwa, dass verurteilte Täter sofort aus dem Kirchenstand entlassen werden und dass alle Verdachtsfälle der Polizei gemeldet werden müssen. Gefordert wird auch, dass Priester auch Missbrauchsfälle melden sollen, die sie in der Beichte erfahren haben. Das Beichtgeheimnis wird durch das Dekret aber auch bei sexuellem Missbrauch nicht aufgehoben.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) kritisierte, dass die neue Meldepflicht nur intern für die katholische Kirche gilt. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist von Strafgerichten zu beurteilen", erklärte Barley. "Die schrecklichen Missbrauchstaten sind keine interne Angelegenheit der katholischen Kirche."

Barley forderte die Kirche auf, "jede Straftat" anzuzeigen, damit Staatsanwaltschaften ermitteln könnten. Bei jedem Hinweis auf sexuellen Missbrauch müsse "unmittelbar" Strafanzeige gestellt werden. Andernfalls blieben die "Mauern des Schweigens" erhalten, die den Missbrauch so lange verdeckt und verschleiert hätten.


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