08.05.2019, 17:55 Uhr

Islamabad (AFP) Erleichterung über Ausreise von Asia Bibi aus Pakistan

Asia Bibi hat Pakistan verlassen. Quelle: British Pakistani Christian Association/AFP/Archiv/Handout (Foto: British Pakistani Christian Association/AFP/Archiv/Handout)Asia Bibi hat Pakistan verlassen. Quelle: British Pakistani Christian Association/AFP/Archiv/Handout (Foto: British Pakistani Christian Association/AFP/Archiv/Handout)

Verfolgte Christin offenbar in Kanada gelandet - Pompeo: Bibi mit Familie vereint

Die in Pakistan verfolgte Christin Asia Bibi hat ihr Heimatland verlassen und ist offenbar nach Kanada ausgereist. Sie habe Pakistan "aus freien Stücken verlassen", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Islamabad. US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, die Christin sei "frei" und mit ihrer Familie wiedervereint. Bibi war 2010 wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden, im vergangenen Oktober wurde sie freigesprochen.

Wann genau Bibi Pakistan verließ, wurde nicht bekannt. Auch über ihren neuen Aufenthaltsort gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Ihrem Anwalt Saif ul-Mulook zufolge, der sich auf eigene "Quellen" berief, ist Bibi nun in Kanada. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau wollte sich zu dem Fall nicht äußern und verwies auf die Privatsphäre Bibis und Sicherheitsgründe.

Trudeau hatte Mitte November erklärt, seine Regierung verhandele mit Islamabad über eine Ausreise der Christin nach Kanada. Deren Töchter Escham and Escha, von denen eine mehrfach behindert ist, sollen bereits vor ihrer Mutter dorthin geflohen sein. Die britische Premierministerin Theresa May sagte am Mittwoch, London habe Kanadas Bemühungen um eine Aufnahme Bibis unterstützt.

US-Außenminister Pompeo äußerte sich erleichtert darüber, dass die Christin nun wieder mit ihrer Familie vereint sei. "Asia Bibi ist jetzt frei und wir wünschen ihr und ihrer Familie alles Gute."

Das Schicksal der Christin hatte weltweit für eine Welle der Solidarität gesorgt. Zahlreichen Regierungen, Menschenrechtsgruppen und die katholische Kirche setzten sich jahrelang für Bibi ein. Der Fall reicht in das Jahr 2009 zurück. Damals wurde Bibi vorgeworfen, sich bei einem Streit um Wasser mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf in der Provinz Punjab abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Bibi wies die Vorwürfe gegen sie stets zurück.

2010 wurde sie wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Die nächsten acht Jahre verbrachte die asthmakranke Frau im Gefängnis und wurde immer wieder in Isolationshaft in einer engen, fensterlosen Zelle festgehalten. Ihr Mann sagte während ihrer Haftzeit der Nachrichtenagentur AFP, es sei schwer für ihn und die beiden Töchter, in Pakistan zu leben. Sie gingen nur selten und mit größter Vorsicht auf die Straße.

Zwar wurde das Todesurteil im vergangenen Jahr aufgehoben, allerdings konnte Bibi Pakistan wegen wütender Proteste von Islamisten zunächst nicht verlassen. Die Islamistenpartei Tehreek-e-Labaik (TLP), die zuvor Demonstrationen für Bibis Hinrichtung angeführt hatte, rief die Armee zur Rebellion auf und forderte die Ermordung der Richter, die das Todesurteil gegen Bibi aufgehoben hatten.

Ende Januar erklärte das Oberste Gericht Pakistans schließlich einen Berufungsantrag gegen den Freispruch für unzulässig und machte damit den Weg frei für Bibis Ausreise.

Der stellvertretende Südasien-Direktor der Menschenrechtsgruppe Amnesty International sprach von einer "großen Erleichterung" darüber, dass Asia Bibi und ihre Familie nun in Sicherheit seien. Ihr Fall habe auf furchtbare Art gezeigt, welche Gefahren Pakistans Blasphemie-Gesetze bergen. Daher müssten sie dringend abgeschafft werden.

Etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Pakistan sind Christen. Im gesellschaftlichen Klassensystem stehen sie weit unten, leben meist in Slums und erledigen einfache Arbeiten, etwa als Straßenfeger oder Koch.

Blasphemie kann im streng konservativ-islamischen Pakistan mit dem Tod bestraft werden. Dutzende Menschen verbüßen dort wegen entsprechender Anschuldigungen nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit lebenslange Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung. Immer wieder kommt es auch zu Lynchmorden.


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