07.05.2019, 14:08 Uhr

Ansbach (AFP) Prozess um vierfachen Mord an Frau und Kindern in fränkischem Gunzenhausen

Justitia. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender)Justitia. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender)

31-jähriger Familienvater sprang nach Tat von Balkon

Knapp ein Jahr nach einem Familiendrama mit vier Toten im fränkischen Gunzenhausen hat am Dienstag ein Prozess vor dem Landgericht Ansbach gegen einen 31 Jahre alten Mann begonnen. Dieser ist wegen Mordes angeklagt, weil er seine seit kurzem getrennt von ihm lebende Ehefrau und die gemeinsamen Kinder im Alter von drei, sieben und neun Jahren getötet haben soll.

Der Angeklagte Georg K. verweigerte zu Prozessbeginn die Aussage. Ihr Mandant werde zumindest vorerst keine Angaben machen, sagte seine Verteidigerin. Neben dem Mord ist K. auch wegen Körperverletzung angeklagt, er soll wenige Tage vor den Morden seine beiden sieben und neun Jahre alten Söhne geschlagen haben.

Seine Ehefrau hatte sich nach diesem Übergriff getrennt und ein polizeiliches Kontaktverbot erreicht. Laut Staatsanwaltschaft liegt in der Trennung das Motiv für die Tat – K. habe die Kränkung nicht ertragen und kein Lebensrecht mehr für seine Familie gesehen.

Nach der Tat stürzte sich der Angeklagte aus der im dritten Stock gelegenen Wohnung seiner Frau in die Tiefe, den Sturz überlebte er schwer verletzt. Laut Anklage befand sich K. auf der Flucht vor seinem Schwager.

Dieser war zum Schutz der 29 Jahre alten Ehefrau in die Wohnung gezogen. Am Tattag soll K. seinen Schwager aber unter einem Vorwand aus der Wohnung gelockt und binnen Minuten seine Frau und die zwei Söhne sowie eine Tochter erstochen haben.

Der Schwager berichtete mit erschütternden Details als Zeuge über den Tattag. Er habe vor dem Hochhaus wie von diesem erbeten ein Handyladekabel und Wäsche an den Angeklagten übergeben wollen und habe plötzlich einen dumpfen Schlag gehört.

Er sei dann wie von Sinnen in die Wohnung gerannt, wo sich ihm ein entsetzliches Bild geboten habe, sagte der Schwager. Seine Schwester habe "abartig zerstückelt" in der Wohnung gelegen, die getöteten Kinder seien verblutet.

Wie der Zeuge sagte, hatte der Angeklagte auch in der Vergangenheit Frau und Kinder wiederholt misshandelt. Dass seine Schwester sich nicht früher getrennt habe, habe daran gelegen, dass sie Angst um die Kinder gehabt habe. Erst kurz vor der Tat hatte die Frau das Jugendamt eingeschaltet, dort war auch ein Termin verabredet – davor kam es aber zu dem Vierfachmord.

Die am Tatort eingesetzten Polizisten berichteten von erschütternden Bildern. Sie seien mit den Worten "alle abgeschlachtet", alle seien getötet worden, alarmiert worden.

In der Wohnung hätten sie dann die mit einem Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge getöteten Opfer entdeckt. Alle vier Toten hätten in großen Blutlachen gelegen. Auf einer Grünfläche vor dem Haus habe der verletzte, aber ansprechbare Angeklagte gelegen.

Der Angeklagte war nach der Tat zunächst in die Psychiatrie gekommen. Dort konnte aber keine Störung festgestellt werden.

Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt. Am Mittwoch kommender Woche soll ein Urteil gesprochen werden. Bis dahin will das Gericht 21 Zeugen und sechs Sachverständige hören. Die Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, neben einer lebenslangen Haft auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld fordern zu wollen.


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