05.05.2019, 11:13 Uhr

Seoul (AFP) Nordkorea provoziert mit neuerlichen Waffentests


Pjöngjang versucht offenbar Druck in festgefahrenen Atomverhandlungen zu erhöhen

Inmitten der festgefahrenen Atomverhandlungen mit den USA hat Nordkorea neue Waffentests vorgenommen. Unter der Aufsicht von Machthaber Kim Jong Un habe das Militär Langstrecken-Mehrfachraketenwerfer und taktische Lenkwaffen getestet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. US-Präsident Donald Trump zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass Kim sich an seine Zusagen halten werde. Die Bundesregierung sprach hingegen von einer "Provokation".

KCNA sprach von einer von Kim beaufsichtigten "Angriffsübung" am Samstag; von einem Raketentest, der gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verstoßen würde, war in der KCNA-Meldung aber nicht die Rede.

Südkoreas Verteidigungsministerium erklärte am Sonntag, Nordkorea habe offenbar Mehrfachraketenwerfer mit Kalibern von 240 und 300 Millimetern sowie "eine neue Art taktischer Lenkwaffen" mit einer Reichweite von 70 bis 240 Kilometern getestet.

Am Samstag hatte Südkoreas Generalstab zunächst von einer "unidentifizierten Kurzstreckenrakete" und dann von mehreren "Kurzstreckenprojektilen" gesprochen. Sie seien nach dem Abschuss von der Ostküste Nordkoreas bis zu 200 Kilometer weit geflogen und dann ins Meer gestürzt.

Der Präsidentenpalast in Seoul erklärte, das Abfeuern der Geschosse verstoße gegen ein militärisches Abkommen, das die beiden Länder im vergangenen Jahr unterzeichnet hätten. Die Regierung sei "sehr besorgt".

Trump schrieb in einer ersten Reaktion im Onlinedienst Twitter, zwar sei "auf dieser sehr interessanten Welt" alles möglich. Er glaube aber, dass Kim sich des "großen wirtschaftlichen Potenzials" Nordkoreas bewusst sei und dieses nicht beschädigen wolle.

"Er weiß auch, dass ich auf seiner Seite bin und er will sein Versprechen an mich nicht brechen", schrieb Trump über Kim. Es werde zu einer Einigung mit Nordkorea kommen, fügte der US-Präsident mit Blick auf die zuletzt gescheiterten Gespräche über Nordkoreas Atomwaffenprogramm hinzu.

Die Bundesregierung kritisierte die Waffentests scharf. Diese stellten "eine Provokation dar - in einer Phase, in der die internationale Gemeinschaft von Nordkorea konkrete Schritte zur Aufgabe seines Raketen- und Nuklearwaffenprogramms erwartet", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Zugleich begrüßte er, dass Trump weiterhin bereit sei, "den Verhandlungsprozess trotz dieser Provokation fortzusetzen".

Kim hatte sich bei einem Gipfeltreffen mit Trump im vergangenen Jahr in Singapur grundsätzlich auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigt. Konkrete Schritte wurden allerdings nicht vereinbart.

Ihren zweiten Gipfel im Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi brachen Kim und Trump ergebnislos ab. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, über eine Gegenleistung Pjöngjangs wurde aber keine Einigung erzielt.

Experten zufolge versucht Pjöngjang nun, in den festgefahrenen Atomverhandlungen den Druck zu erhöhen. Kim wolle der Welt zeigen, dass er "verärgert" über die harte Haltung der US-Regierung sei und sich dem Druck von außen nicht beugen werde, sagte Scott Seaman vom Forschungsinstitut Eurasia Group.

KCNA schrieb, Kim habe die Soldaten bei der Übung an die "eiserne Wahrheit" erinnert, "dass wahrer Frieden und Sicherheit nur durch machtvolle Stärke gesichert und garantiert" werden könnten. Die nordkoreanische Staatszeitung "Rodong Sinmun" druckte am Sonntag 16 Fotos von dem Waffentest auf der Titelseite, darunter ein Foto von einem grimmig dreinblickenden Kim mit einem Fernglas. Im April hatte Nordkorea schon einmal den Test einer neuen "taktischen Lenkwaffe" vermeldet.

Erst am Freitag hatte Südkoreas Außenminister Kang Kyung Wha von Nordkorea "sichtbare, konkrete und substanzielle" Schritte der Denuklearisierung gefordert, wenn es eine Lockerung der Sanktionen wolle. Zuvor hatte Nordkoreas Vize-Außenminister Choe Son Hui die US-Regierung vor einem "unerwünschten Ergebnis" gewarnt, wenn sie ihre Haltung zu Wirtschaftssanktionen nicht anpasse.


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