03.05.2019, 14:58 Uhr

Colombo (AFP) Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen aus Furcht vor neuen Anschlägen in Sri Lanka

Solidaritätsbanner vor einer Moschee in Colombo. Quelle: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI (Foto: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI)Solidaritätsbanner vor einer Moschee in Colombo. Quelle: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI (Foto: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI)

Muslime bieten beim Freitagsgebet christlichen Gemeinden Unterstützung an

Aus Sorge vor neuen Anschlägen haben die Behörden in Sri Lanka die Sicherheitsvorkehrungen in und um die Hauptstadt Colombo verschärft. Nach Hinweisen auf mögliche Anschläge auf Brücken waren dort am Freitag nach Polizeiangaben zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz. Auch beim muslimischen Freitagsgebet herrschten strenge Kontrollen. Regierungschef Ranil Wickremesinghe erklärte, noch seien nicht alle Verdächtigen gefasst.

Nach Behördenangaben sollen der Polizei Indizien dafür vorliegen, dass islamistische Extremisten Anschläge auf Brücken und Polizeiwachen in Colombo planen. Sie verstärkte daher nach eigenen Angaben ihre Präsenz und rief die Marine auf, zusätzliche Boote auf Flüssen in der Hauptstadt einzusetzen. In Sri Lanka waren am Ostersonntag bei Anschlägen auf Kirchen und Hotels 257 Menschen getötet worden.

Die Suche nach den Tätern ist nach Angaben von Regierungschef Wickremesinghe noch nicht abgeschlossen. Er sagte bei einer Reise durch den Osten des Lande, einige Hintermänner könnten noch auf freiem Fuß sein. Die meisten seien aber festgenommen und einige andere getötet worden, sagte Wickremesinghe. "Wir versuchen, herauszufinden, ob es noch weitere geheime IS-Zellen im Land gibt", fügte er hinzu.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Anschläge für sich. Die Regierung macht die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich, glaubt aber, dass sie Unterstützung aus dem Ausland hatte.

Nach Angaben eines Regierungssprechers sind weiterhin vier Verdächtige auf der Flucht. Es gebe Informationen über eine kleine Gruppe von Radikalen, die weitere Anschläge verüben könnten, sagte Rajitha Senaratne der Nachrichtenagentur AFP. Noch könne nicht gesagt werden, dass die Gefahr vorbei sei. "Aber die Situation ist unter Kontrolle... besser, als wir es erwartet haben," sagte der Sprecher.

Nach Militärangaben wurden bei Durchsuchungen in der Nacht zum Freitag an verschiedenen Orten Sprengstoff und Waffen beschlagnahmt. Diese stammten demnach aber nicht von Islamisten, sondern von kriminellen Netzwerken. Die Armee richtete nach eigenen Angaben eine Kommandozentrale für die Koordinierung des Kampfes gegen Islamisten ein. Die Suche nach "Terroristen, Verstecken, Sprengstoffen, Waffen" werde fortgesetzt.

Dabei spiele die muslimische Minderheit im Lande eine wichtige Rolle, sagte Regierungssprecher Senaratne. Sie habe die Jagd nach den Islamisten mit "vielen Informationen" unterstützt. Zudem habe Sri Lanka Hilfe der Geheimdienste der USA, Großbritanniens und Indiens erhalten.

Sri Lankas muslimische Minderheit beging unterdessen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ihr Freitagsgebet. Mehrere Moscheen kündigten an, Geld, das an sie gespendet worden war, für den Wiederaufbau der drei von den Anschlägen getroffenen Kirchen zur Verfügung zu stellen.

Vor dem Betreten der Dewatagaha-Jumma-Moschee in Colombo wurden hunderte Gläubige von Polizisten durchsucht. Autos durften nicht in der Nähe des Gebäudes geparkt werden. Auf Transparenten vor der Moschee wurden die Anschläge verurteilt. Auf einem Banner stand eine Einladung an Christen, die Moscheeräume auch für Gottesdienste zu nutzen.

Der Moschee-Vorsitzende Reyyaz M. Salley sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Lage habe sich noch nicht wieder völlig normalisiert. "Die Menschen haben noch immer Angst", sagte er. "Nicht-Muslime und Muslime sind sehr angespannt." Während die staatlichen Schulen in Sri Lanka am Montag wieder öffnen werden, bleiben die katholischen Schulen vorsichtshalber weiterhin geschlossen.


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