03.05.2019, 12:21 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Deutsche Ermittler legen zweitgrößten illegalen Handelsplatz im Darknet lahm

Serverkabel. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen)Serverkabel. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen)

Drei Verdächtige in Haft - Politik will Strafbarkeitslücken schließen

Nach aufwändigen verdeckten Ermittlungen haben deutsche Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben die weltweit zweitgrößte illegale Handelsplattform im sogenannten Darknet lahmgelegt. In den vergangenen Tagen nahmen sie in der Bundesrepublik die drei mutmaßlichen Betreiber von "Wall Street Market" fest und beschlagnahmten die dazugehörigen Server, wie die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main am Freitag mitteilte. Dort wurden etwa Drogen und gestohlene Daten angeboten.

Die kriminelle Handelsbörse war demnach mit mehr als 1,15 Millionen Kundenkonten und mehr als 5400 Verkäufern der zweitgrößte illegale Marktplatz im Darknet, zuletzt waren dort mehr als 63.000 Angebote eingestellt.

Vorausgegangen waren der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft zufolge aufwändige Ermittlungen unter großer Geheimhaltung, an denen auch Sicherheitsbehörden in den USA und den Niederlanden sowie die europäische Polizeibehörde Europol beteiligt waren. Die drei Hauptverdächtigen aus Deutschland waren seit März im Visier der Beamten, die operativen Ermittlungen führten dabei die auf Cyberkriminalität spezialisierten Experten des Bundeskriminalamts.

Die Betreiber der Plattform seien zwar Deutsche, viele Kunden und Verkäufer jedoch US-Bürger. In den USA nahmen Ermittler außerdem zwei mutmaßliche Drogenhändler fest, die in großem Stil Drogen über "Wall Street Market" verkauft haben sollen. Die internationale Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden sei "hervorragend" verlaufen, sagten die Ermittler in Wiesbaden.

Auch in den Niederlanden waren die Aktivitäten der drei Festgenommenen seit längerer Zeit beobachtet worden. Ein Sprecher der niederländischen Polizei sagte, das Ziel der Operation sei gewesen, das Vertrauen Krimineller ins Darknet zu zerstören. Die Polizei habe versucht, über die Administratoren der Plattform an Händler und Kunden heranzukommen. Es seien bereits 200 niederländische Händler identifiziert worden, die insgesamt einen Umsatz in Höhe von mehr als hundert Millionen Euro erwirtschaftet haben sollen.

Die Festnahmen der drei mutmaßlichen Betreiber im Alter zwischen 22 und 31 Jahren erfolgte demnach vor etwa anderthalb Wochen. Das Servernetzwerk wurde am Donnerstag beschlagnahmt und abgeschaltet. Zum Zugriff entschlossen sich die Strafverfolgungsbehörden demnach, als die drei mutmaßlichen Betreiber anscheinend Vorbereitungen für ihr Untertauchen trafen. Ende April schalteten sie ihre Plattform für angebliche Wartungsarbeiten ab und begannen, die darauf in Kryptowährungen hinterlegten Kundengelder auf sich selbst zu übertragen.

Am 23. und 24. April erfolgten daraufhin Festnahmen und Durchsuchungen bei den drei Beschuldigten in Bad Vilbel in Hessen, im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg und in Kleve in Nordrhein-Westfalen. Dabei fielen den Beamten auch mehr als 550.000 Euro Bargeld sowie Beträge in Kryptowährungen in sechsstelliger Höhe und teure Autos in die Hände. Die drei Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU), forderte im Zuge der Festnahmen härtere Strafen gegen Betreiber von Plattformen, die illegale Ware verkaufen. Der aktuelle Fall unterstreiche, "dass solche Plattformbetreiber nicht weit weg sind, sondern ihr Unwesen oftmals unerkannt in unserer Mitte treiben", sagte Krings der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf.

Das Bundesjustizministerium erklärte, Straftaten, die unter Nutzung des Darknets begangen werden, müssten "effektiv verfolgt" werden. Der Koalitionsvertrag sehe vor, eine Strafbarkeit für das Betreiben krimineller Infrastrukturen dort einzuführen, wo Lücken bestünden. Die Bundesregierung prüfe, wie diese Lücken geschlossen werden könnten.


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