02.05.2019, 15:04 Uhr

Colombo (AFP) Sonntagsmessen in Sri Lanka wegen neuer Anschlagswarnung erneut abgesagt

Die Kirche St. Anthony's Shrine in Colombo. Quelle: AFP/Archiv/Jewel SAMAD (Foto: AFP/Archiv/Jewel SAMAD)Die Kirche St. Anthony's Shrine in Colombo. Quelle: AFP/Archiv/Jewel SAMAD (Foto: AFP/Archiv/Jewel SAMAD)

Katholische Kirche verweist auf "präzise" Drohungen

In Sri Lanka hat die katholische Kirche wegen neuer Anschlagswarnungen erneut alle Sonntagsmessen abgesagt. Die Kirchen bleiben auch am zweiten Wochenende nach der verheerenden Anschlagsserie vom Ostersonntag geschlossen, da es eine "präzise Drohung" gegen eine "sehr berühmte Kirche" und eine katholische Institution gegeben habe, wie Colombos Erzbischof Malcolm Ranjith am Donnerstag erklärte. Die Warnungen stammen demnach von einer nicht näher genannten "vertrauenswürdigen Quelle aus dem Ausland".

Zwei Wochen nach den Anschlägen am Ostersonntag wollte die Kirche am Wochenende eigentlich zum ersten Mal wieder Sonntagsmessen feiern - wenn auch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Ranjith hatte bereits am vergangenen Sonntag eine Messe im Gedenken an die Opfer gehalten - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aus Angst vor weiteren Anschlägen wurde die Messe nur im Fernsehen übertragen.

Die katholischen Schulen des Landes bleiben nach Angaben des Erzbischofs aufgrund der neuen Warnungen bis auf Weiteres geschlossen. Nach verlängerten Osterferien sollte der Unterricht ursprünglich wieder am Montag beginnen.

Die mehr als 10.000 staatlichen Schulen in Sri Lanka sollen hingegen am Montag wieder öffnen, wie die Regierung mitteilte. Allerdings sollen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden. Unter anderem soll vor jeder Schule eine bewaffnete Wache postiert werden.

Zudem wurden die Sicherheitsvorkehrungen für hochrangige Kirchenvertreter verstärkt. Er selbst habe mittlerweile mehrere Personenschützer erhalten, sagte Ranjith. Eine gepanzerte Limousine habe er jedoch an den Staat zurückgegeben. "Der Herr ist mein Beschützer", erklärte er zur Begründung.

Bei der Anschlagsserie am 21. April waren mehr als 250 Menschen getötet worden. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich inzwischen auf 257, wie die Gesundheitsbehörden am Donnerstag mitteilten. Die Opferzahl könnte demnach noch weiter steigen. Etwa 500 Menschen wurden bei den Attacken auf mehrere Kirchen und Hotels verletzt.

Vor der Anschlagsserie vom Ostersonntag hatte es offenbar Hinweise der Sicherheitsbehörden gegeben. Die Warnungen wurden innerhalb der Behörden jedoch nicht ausreichend weitergeleitet, die Kirchen verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen nicht wesentlich.

Die Regierung macht die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich, glaubt aber, dass sie Unterstützung aus dem Ausland hatte. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.


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