01.05.2019, 05:54 Uhr

Berlin (AFP) Linke fordert europaweiten Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping

Flaschensammler am Kudamm in Berlin. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld (Foto: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld)Flaschensammler am Kudamm in Berlin. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld (Foto: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld)

Fraktionsvize: Armutslöhne machen Bürger "zu Konkurrenten innerhalb der EU"

Zum Tag der Arbeit hat die Linkspartei eine europaweite Offensive gegen Lohn- und Sozialdumping gefordert. Nötig sei ein europäischer Mindestlohn, der oberhalb von 60 Prozent des mittleren Entgelts im jeweiligen Mitgliedsland liege, sagte Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl der Nachrichtenagentur AFP. Aktuell nutzten Unternehmen das Sozial- und Wohlstandsgefälle zwischen dem Westen und dem Osten Europas aus, um Arbeits-, Lohn- und Sozialstandards zu unterlaufen. Dadurch würden die Bürger "zu Konkurrenten innerhalb der EU", sagte Ferschl.

Die Linken-Arbeits- und Sozialexpertin verwies auf die jüngsten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat, denen zufolge in Europa knapp 113 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht seien. Dies entspreche einer Quote von 22,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

In Deutschland waren nach Eurostat-Zahlen etwa 15,5 Millionen Menschen - oder 19 Prozent - von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Eurostat-Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017. Die europaweiten Gesamtzahlen der Armutsgefährdeten sind seit 2012 leicht rückläufig.

Ohne eine Angleichung der Sozialstandards in Europa werde die Zahl der gefährdeten Bürger allerdings nicht ausreichend zurückgehen, warnte Ferschl. "Wir brauchen in Europa gleichwertige Lebens- und Arbeitsverhältnisse", sagte sie zu AFP. Nur so sei "sozialer Zusammenhalt und politische Stabilität zu gewährleisten".

Nach Kriterien der Eurostat-Behörde gelten Menschen in Europa dann als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen oder sie leben in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.


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