30.04.2019, 07:58 Uhr

Berlin (AFP) Studie: Mehr als 13 Millionen Menschen leben in strukturschwachen Regionen

Außenalster in Hamburg. Quelle: dpa/AFP/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/AFP/Daniel Bockwoldt)Außenalster in Hamburg. Quelle: dpa/AFP/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/AFP/Daniel Bockwoldt)

Mehrheit wohnt aber in wohlhabenden oder soliden Kreisen und Städten

Während viele Städte und ihr Umland bundesweit boomen, kämpfen ländliche Regionen im Osten oder auch Ruhrgebietskommunen mit schweren Strukturproblemen. Mehr als 13 Millionen Menschen leben laut einer am Dienstag von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichten Studie in Regionen mit großen Strukturproblemen. Die dynamischen Groß- und Mittelstädte mit einem starken Umland zählen mehr als 36 Millionen Einwohner. Gerade Großstädte werden aber für viele Menschen zunehmend zu teuer.

Für den sogenannten Disparitätenbericht 2019 untersuchte das Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Daten zu insgesamt 20 verschiedenen Indikatoren. Dazu zählten etwa Gehälter, Beschäftigungsquoten, kommunale Verschuldung, Mieten oder auch die Entfernung zum nächsten Hausarzt. Auf dieser Grundlage definierten die Wissenschaftler fünf verschiedene Typen, denen sie alle 402 Landkreise und Städte in Deutschland zuordneten.

In dynamischen Groß- und Mittelstädten wie München und Hamburg, aber auch Jena oder Frankfurt an der Oder leben laut der Studie 22,7 Millionen Menschen. Das starke Umland von Städten zählt weitere 13,7 Millionen. Damit leben der Untersuchung zufolge rund 36,4 Millionen Menschen in Wohlstandsregionen, zu denen auch die meisten ostdeutschen Städte gehören.

Allerdings warnte die Ebert-Stiftung vor einem "Wohlstandsgraben" in Städten. Selbst in wirtschaftlich erfolgreichen Städten drohten aufgrund der steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten Menschen mit mittlerem Einkommen, Familien mit Kindern und Senioren in die Armut abzurutschen.

Die "solide Mitte" Deutschlands bilden laut der Studie Kreise und Städte vor allem in ländlichen Gebieten Westdeutschlands. Diese Regionen zählen 32,8 Millionen Einwohner.

In "ländlich geprägten Räumen in dauerhafter Strukturkrise", die sich vor allem im Ostdeutschland befinden, leben 8,1 Millionen Menschen. In der Krise stecken aber auch Ruhrgebietsstädte, Regionen im Saarland, Kommunen im Saarland sowie Bremen und Bremerhaven. Dort leben 5,4 Millionen Menschen. Damit wohnen 13,5 Millionen Bürger in Regionen mit schweren Strukturproblemen.

Die Ebert-Stiftung forderte als Konsequenz daraus eine Entschuldung für finanzschwache Städte und Gemeinden. "Nur so kann es gelingen, schwache Kommunen aus dem Teufelskreis von Verschuldung, Abwanderung und wirtschaftlicher Schrumpfung herauszulösen", erklärte die Stiftung.


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