28.04.2019, 10:48 Uhr

Colombo (AFP) Mahnwache in Sri Lanka erinnert an Opfer der Anschläge

Teilnehmer der Mahnwache zünden Kerzen an. Quelle: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI (Foto: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI)Teilnehmer der Mahnwache zünden Kerzen an. Quelle: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI (Foto: AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI)

Strenge Sicherheitsvorkehrungen eine Woche nach verheerenden Explosionen

Eine Woche nach den tödlichen Anschlägen vom Ostersonntag hat die Bevölkerung in Sri Lanka an die Opfer erinnert. Vor der historischen Kirche St. Antonius in Colombo wurde am Sonntagmorgen eine Mahnwache abgehalten. Aus Angst vor neuen Anschlägen wurden alle öffentlichen Gottesdienste abgesagt. Bei einer Polizeirazzia am Samstag hatten sich mehrere Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Die Uhr am Kirchturm von St. Antonius steht immer noch auf 8:45 Uhr, dem Zeitpunkt der Explosion. Zur selben Zeit läuteten nun die Glocken der Kirche, die Menschen vor dem Gebäude, die bis dahin gemeinsam gesungen hatten, verstummten. Insgesamt waren am Ostersonntag 253 Menschen durch Selbstmordanschläge in drei Hotels und drei Kirchen getötet worden.

Die 19-jährige Dharshika Fernando sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie komme jeden Sonntag nach St. Antonius. "Es fühlt sich an, als hätte jemand mein eigenes Zuhause in die Luft gesprengt", sagte sie mit Tränen in den Augen.

Die Mahnwache fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, öffentliche Gottesdienste gab es an diesem Sonntag keine - zu groß war die Angst vor neuen Angriffen.

Erst am Vortag hatten bei einem Polizeieinsatz erneut drei Selbstmordattentäter ihre Bomben gezündet. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) übernahm die Verantwortung für die Männer. Beim Sturm von Sicherheitskräften auf ein Haus in der Stadt Kalmunai, rund 370 Kilometer östlich der Hauptstadt, hatten sie ihre Bomben gezündet und dabei drei Frauen und sechs Kinder mit in den Tod gerissen.

Drei weitere Männer, ebenfalls mutmaßliche Selbstmordattentäter, seien außerhalb des Hauses von Sicherheitskräften erschossen worden, erklärte die Polizei. Auch ein Passant starb im Kreuzfeuer. Eine Frau und ein Kind wurden verletzt. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von verkohlten Körpern, Aufnahmen aus dem Inneren des Hauses zeigen Sprengstoff, einen Generator und eine Drohne.

Zuvor hatte die Polizei in der nahegelegenen Stadt Sammanthurai 150 Stangen Dynamit und eine IS-Flagge sichergestellt. "Wir haben den Hintergrund gefunden, vor dem die Gruppe ihr Video aufgenommen hat", hieß es in einer Erklärung. In dem vom IS verbreiteten Bekennervideo sind acht Dschihadisten zu sehen, die vor ihren Anschlägen dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue schwören.

Der Erzbischof von Colombo, Kardinal Malcolm Ranjith, verurteilte die Anschläge als Tragödie und als "Beleidigung der Menschheit". Er hielt in der Kapelle seiner Residenz einen privaten Sonntagsgottesdienst ab, der im Fernsehen übertragen wurde. Darin rief Ranjith zu Frieden und Einheit in dem multiethnischen Land auf.

Die Polizei meldete unterdessen neue Festnahmen, darunter zwei Männer, die auf einer Liste der meistgesuchten Verdächtigen standen. Mohamed Saadik Abdul Haq und Mohamed Saahid Abdul Haq wurden demnach am Samstagabend in der Region Nawalapitiya gefasst, etwa 125 Kilometer östlich von Colombo. Damit stieg die Zahl der Festgenommenen auf über 100.

Die beiden Männer sollen im Dezember in der Stadt Mawanella mehrere Buddha-Statuen beschädigt haben. Mit der Tat hatte die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) das erste Mal auf sich aufmerksam gemacht.

Während der IS die Anschläge vom Ostersonntag für sich reklamiert, macht die Regierung die NTJ dafür verantwortlich. Einen der Selbstmordanschläge beging demnach ihr Anführer Zahran Hashim. Die Polizei erklärte, Hinweise nach der Festnahme von Hashims Fahrer hätten sie zu dem Versteck in Kalmunai geführt. Sri Lankas Präsident hat die NTJ und die Splittergruppe Jamathei Millathu Ibraheem inzwischen verboten.

Entgegen ursprünglicher Pläne werden die Schulen in Sri Lanka am Montag noch nicht wieder öffnen, sondern bleiben eine weitere Woche geschlossen. Auch die nächtliche Ausgangssperre wurde verlängert.


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