25.04.2019, 13:58 Uhr

Berlin (AFP) Bundesregierung nennt Warnungen vor neuem Dürresommer "Spekulation"

Abgebrannter Wald in Sachsen-Anhalt. Quelle: dpa/AFP/Jan Woitas (Foto: dpa/AFP/Jan Woitas)Abgebrannter Wald in Sachsen-Anhalt. Quelle: dpa/AFP/Jan Woitas (Foto: dpa/AFP/Jan Woitas)

Baerbock fordert schnelles Umsteuern der Klimapolitik

Die Bundesregierung hat angesichts der anhaltenden Trockenheit und den damit verbundenen Sorgen der Landwirte vor Spekulationen über einen erneut bevorstehenden Dürresommer gewarnt. Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums erklärte am Donnerstag in Berlin, die Sorgen der Landwirtschaft würden "sehr ernst" genommen. "Wichtig ist aber auch darauf hinzuweisen, dass es den Wetterdiensten nicht möglich ist, eine gesicherte Prognose über einen längeren Zeitraum hinweg geben zu können."

In der Ministeriumserklärung heißt es, alle jetzt abgegebenen Prognosen über den gesamten Sommer seien "Spekulation". Auch der Sprecher der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Thilo Streck, warnte im Bayerischen Rundfunk vor Panik. "Es ist derzeit noch nicht möglich, zuverlässig eine solche Vorhersage zu machen."

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärte, kommt zu dem vom Klimawandel verursachten erhöhten Risiko von Wetterextremen in diesem Jahr hinzu, dass das im Jahr 2018 entstandene Wasserdefizit nur teilweise ausgeglichen werden konnte.

Die Behörden versuchen dem Ministerium zufolge, Landwirten durch Informations- und Beratungsdienste Unterstützung zu leisten, sich auf die Risiken der Wetterextreme einzustellen. Außerdem leiste die europäische Agrarpolitik einen Beitrag zur Risikoabsicherung.

Zuletzt hatten sich Wald-, Moor- und Flächenbrände gehäuft, dazu kamen Staubstürme. Vermutlich ein Blitzeinschlag führte Mittwochabend im hessischen Seulingswald zu einem Waldbrand auf einer sieben Hektar großen Fläche. Die mit rund 400 Einsatzkräften ausgerückte Feuerwehr bekam das Feuer in der Nähe der Autobahn A4 unter Kontrolle.

Vor allem im Osten und Süden Deutschlands besteht erhöhte Waldbrandgefahr, gebietsweise herrscht nach dem vom Deutschen Wetterdienst herausgegebenen Waldbrandgefahrenindex dort die höchste Warnstufe fünf. Die Monate April und Mai sind allerdings ohnehin die waldbrandgefährdetste Jahreszeit, rund zwei Drittel der jährlichen Waldbrände entfallen auf diese Zeit. Dies liegt nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald an den oft noch nicht vollbelaubten Bäumen und den trockenen Gräsern und dem Laub vom Vorjahr.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte derweil ein schnelles und massives Umsteuern der Bundesregierung in der Klimapolitik. "Neue Dürrewarnungen zeigen an, dass die Klimakrise sich massiv verschärft", sagte Baerbock der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag. Deshalb müsse die Bundesregierung "endlich in die Puschen kommen", um umweltschädliches Wirtschaften teurer zu machen. "Es braucht einen Mix von Instrumenten und ein starkes Ordnungsrecht, allen voran beim Kohleausstiegsgesetz."

Ordnungsrechtliche Vorgaben seien auch nötig, weil nach Auffassung der Grünen etwa eine derzeit diskutierte Abgabe oder Steuer auf CO2 nicht ausreiche. Dennoch nannte Baerbock einen Preis für CO2 "gut". Um soziale Härten zu vermeiden, sollten alle zusätzlichen Einnahmen aus einer CO2-Steuer in Form eines sogenannten Energiegeldes an die Verbraucher zurückgegeben werden.


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