25.04.2019, 07:41 Uhr

Paris (AFP) Studie: 2018 Regenwälder von der Fläche Englands zerstört

Regenwald in Brasilien. Quelle: AFP/Mauro Pimentel (Foto: AFP/Mauro Pimentel)Regenwald in Brasilien. Quelle: AFP/Mauro Pimentel (Foto: AFP/Mauro Pimentel)

Experten: Wälder der Welt "in der Notaufnahme"

Die Zerstörung des Regenwaldes hat nach Angaben von Wissenschaftlern weiter dramatische Ausmaße. Im vergangenen Jahr wurde insgesamt eine Fläche von der Größe Englands zerstört, wie der jährliche Bericht des Global Forest Watch der Universität Maryland in den USA darlegt. Das ist der drittgrößte Verlust von Tropenwäldern, seit 2001 mit der Erhebung von Satellitendaten dazu begonnen wurde.

Die Geschwindigkeit der Zerstörung ist unverändert hoch, konstatieren die Experten. Minütlich verschwinde Wald von der Größe von 30 Fußballfeldern. Das entspricht zwölf Millionen Hektar pro Jahr. Bei fast einem Drittel der betroffenen Flächen handelte es sich den Angaben zufolge um besonders schützenswerten Urwald der ältesten Generation.

Erstmals seien Eingriffe in den bislang unberührten natürlichen Regenwald dokumentiert, der aus jahrhundertealten, teils sogar jahrtausendealten Bäumen bestehe, sagte Forschungsgruppenleiterin Mikaela Weisse der Nachrichtenagentur AFP.

Frances Seymour, führende Wissenschaftlerin am World Ressources Institute in Washington, warnte: "Die Wälder der Welt sind jetzt in der Notaufnahme. Das Wohlergehen des Planeten steht auf dem Spiel." Mit jedem verlorenen Hektar "kommen wir dem schrecklichen Szenario eines unkontrollierbaren Klimawandels näher", sagte Seymour.

In Brasilien war der Verlust am größten. Der Anteil am Gesamtverlust an Regenwald betrug in dem südamerikanischen Land mit rund 13.500 Quadratkilometern etwa ein Drittel. Es folgen die Demokratische Republik Kongo mit 4800 Quadratkilometern, Indonesien mit 3400 Quadratkilometern, Kolumbien mit 1800 Quadratkilometern und Bolivien mit 1500 Quadratkilometern. Der afrikanische Inselstaat Madagaskar büßte im vergangenen Jahr zwei Prozent seines Regenwaldes ein.

Die Hauptverursacher der Zerstörung sind Viehzucht und Landwirtschaft: in Asien und Afrika vor allem der Anbau von Palmöl, in Südamerika Getreide zur Produktion von Biotreibstoffen. Brandrodungen und Abholzungen zum Flächengewinn setzen dabei nicht nur klimaschädliches Kohlendioxid frei, sondern verringern auch die Kapazitäten der sogenannten grünen Lungen zur Aufnahme von CO2.

Weltweit absorbieren die Regenwälder rund 30 Prozent des von Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen - mehr als elf Milliarden Tonnen pro Jahr. Auch die Ozeane sind gigantische CO2-Filter, sie nehmen rund 23 Prozent des Gases auf.

Das bislang schlimmste Jahr für die Wälder weltweit war 2016, wozu das Wetterphänomen El Niño und großflächige unkontrollierte Brände in Brasilien und Indonesien beitrugen. Für Brasilien zeigten die Daten eine deutlichen Trend hin zu von Menschen gelegten Feuern, die zudem auch vor Tabuzonen nicht haltmachten: "Mit Erschrecken sehen wir auch Eingriffe in Ureinwohnergebiete, die über Jahre immun gegen Entwaldung waren", sagte Wissenschaftlerin Weisse.


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