14.04.2019, 09:09 Uhr

Berlin (AFP) Kraftfahrtbundesamt entdeckt offensichtlich neue Schummel-Software bei Daimler

Mercedes-Mitarbeiter befestigt einen Stern. Quelle: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE (Foto: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE)Mercedes-Mitarbeiter befestigt einen Stern. Quelle: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE (Foto: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE)

Unternehmen sichert "vollumfängliche Kooperation" in Anhörungsverfahren zu

Im Dieselskandal hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) offensichtlich eine bisher unbekannte Schummel-Software bei Daimler entdeckt. Die Behörde leitete ein formelles Anhörungsverfahren gegen den Autobauer ein, wie das Unternehmen am Sonntag in Stuttgart bestätigte. Betroffen ist demnach das Mercedes-Benz-Modell GLK 220 CDI mit der Abgasnorm 5.

Über den Vorgang hatte zuerst die "Bild am Sonntag" berichtet. Demnach geht es um den Verdacht auf eine weitere "unzulässige Abschaltvorrichtung". Betroffen seien 60.000 Fahrzeuge, die zwischen 2012 und 2015 produziert wurden.

"Wir kooperieren vollumfänglich mit dem Kraftfahrt-Bundesamt und prüfen den beschriebenen Sachverhalt", hieß es dazu in der Erklärung von Daimler. Das Unternehmen werde dem Kraftfahrtbundesamt im Rahmen der Anhörung "unsere Sichtweise darlegen".

Die Behörde war laut "BamS" bereits im Herbst 2018 auf die umstrittene Software-Funktion bei dem Motor OM 651 gestoßen. Weitere Emissionsmessungen bei einem GLK-Modell hätten den Verdacht dann erhärtet. So werde der gesetzliche Grenzwert für Stickoxide im Neuen Europäischen Prüfzyklus (NEFZ) nur eingehalten, wenn die sogenannte Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung aktiv ist. Im Straßenbetrieb werde die Funktion dagegen deaktiviert und der Grenzwert von 180 Milligramm pro Kilometer deutlich überschritten.

Daimler musste vergangenes Jahr auf Anordnung des KBA schon mehrfach Fahrzeuge zurückrufen, davon 280.000 in Deutschland. Daimler führt die Rückrufe zwar aus, hat aber Widerspruch eingelegt.

Laut der "BamS" hat das KBA herausgefunden, dass die neu entdeckte Funktion bei Software-Updates von Daimler unbemerkt entfernt wurde. Ob und warum dies geschehen ist, wollte ein Daimler-Sprecher dem Blatt zufolge aus rechtlichen Gründen nicht beantworten. Zu einer möglichen Verantwortung von Entwicklungsvorstand Ola Källenius sagte er: "Herr Källenius gibt persönlich keine Software-Updates frei."

In der Erklärung des Unternehmens hieß es lediglich: "Die Behauptung, dass wir mit der freiwilligen Service-Maßnahme etwas 'verbergen' wollen, ist unzutreffend." Weiter hob Daimler hervor: "Selbstverständlich halten wir uns bei der Abwicklung der angekündigten freiwilligen Service-Maßnahme für über drei Millionen Mercedes-Benz Fahrzeuge im Feld an den mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Kraftfahrtbundesamt vereinbarten Genehmigungsprozess."


0 Kommentare