14.04.2019, 11:27 Uhr

Valetta (AFP) Flüchtlinge von Rettungsschiff "Alan Kurdi" in Malta an Land gegangen


Migranten werden auf Deutschland und andere Länder verteilt

Ende einer zehntägigen Hängepartie: Die 62 Flüchtlinge von Bord der "Alan Kurdi" haben das deutsche Rettungsschiff nach langem Warten verlassen können. Am Samstag wurden sie in Maltas Hauptstadt Valetta gebracht, von wo aus sie auf Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg verteilt werden. Anlegen durfte das Schiff der Hilfsorganisation Sea Eye allerdings nicht. Die Flüchtlinge wurden mit einem Boot der maltesischen Marine an Land gebracht.

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl kritisierte das Verhalten der maltesischen Behörden. Es gebe keine nachvollziehbare Erklärung dafür, dass Malta die "Alan Kurdi" nicht in den Hafen habe einlaufen lasse, erklärte Geschäftsführer Günter Burkhardt.

Die in Regensburg ansässige Organisation Sea Eye beklagte, dass die Menschen zehn Tage lang an Bord des Schiffes festsaßen. Es sei "einfach nicht erklärbar", warum sie während der "langen Verhandlungen" über ihre Aufnahme an Bord bleiben mussten, erklärte der Sea Eye-Vorsitzende Gorden Isler.

Sea Eye kritisierte zudem, dass Malta die Ausschiffung der Crew abgelehnt habe. "Die 'Alan Kurdi' fährt wieder Richtung Spanien. Es bleibt die Enttäuschung über die Schikane gegen eine tapfere Crew", schrieb die Organisation am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Wir haben 64 Menschen gerettet, das bleibt", sagte demnach der Hamburger Kapitän Werner Czerwinski.

Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation hatte am 3. April vor der libyschen Küste 64 Flüchtlinge von einem Schlauchboot gerettet, darunter zwölf Frauen und zwei Kinder im Alter von einem und sechs Jahren. Seitdem suchte die "Alan Kurdi" einen Hafen in der EU, in den sie sicher einlaufen könnte.

Zwei Migrantinnen und ein Crewmitglied waren wegen gesundheitlicher Probleme bereits nach Valetta gebracht worden.

Das Schiff hatte zunächst die italienische Insel Lampedusa angesteuert. Doch Italiens Innenminister Matteo Salvini lehnte eine Aufnahme der Menschen ab und forderte Deutschland auf, sich um das "Problem" zu kümmern. Der Parteichef der rassistischen Lega sah die Zuständigkeit bei Berlin, weil es sich um ein deutsches Schiff handele.

Deutschland nimmt nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom Sonntag 26 Menschen von Bord des Schiffe auf. Das seien vier mehr als zunächst geplant, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Das Ministerium habe sich "immer dafür ausgesprochen, dass es eine europäische Gesamtlösung gibt. Es wäre wünschenswert, dass sich mehr europäische Länder beteiligen", fügte sie hinzu. Auch Frankreich nehme mit 24 Flüchtlingen vier mehr auf als geplant. Die Menschen werden demnach auf Malta registriert und medizinisch untersucht und durchlaufen anschließend in Deutschland ein Asylverfahren.

Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 356 Menschen im Mittelmeer ertrunken oder gelten als vermisst.


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