12.04.2019, 10:21 Uhr

Khartum (AFP) Protest im Sudan richtet sich nach Baschirs Sturz gegen Militärregierung

Demonstranten in der Hauptstadt Khartum. Quelle: AFP/- (Foto: AFP/-)Demonstranten in der Hauptstadt Khartum. Quelle: AFP/- (Foto: AFP/-)

Demonstranten in Khartum ignorieren nächtliche Ausgangssperre

Nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir haben im Sudan trotz einer nächtlichen Ausgangssperre viele Menschen weiter demonstriert. Die Proteste in der Hauptstadt Khartum richteten sich in der Nacht zum Freitag gegen die neue Militärregierung, die gegen Baschir geputscht und am Donnerstag die Macht in dem ostafrikanischen Land übernommen hatte.

Am Freitag erklärten die neuen Machthaber, sie würden Baschir, gegen den seit Jahren ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) vorliegt, nicht ausliefern. Menschenrechtsgruppen hatten zuvor gefordert, den gestürzten Präsidenten an Den Haag zu überstellen und ihm dort wegen Kriegsverbrechen den Prozess zu machen.

Tausende Menschen versammelten sich in der Nacht nach Angaben von Augenzeugen vor dem Hauptquartier der Armee in Khartum und riefen Slogans wie "Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit". Es war bereits die sechste Nacht in Folge, in der sie vor dem Gebäude ausharrten. Eigentlich hatte die Militärregierung von 22.00 bis 4.00 Uhr Ortszeit eine Ausgangssperre angeordnet.

Auch am Freitagvormittag dauerte der Protest in Khartum weiter an. In der Morgensonne tranken die Demonstranten vor dem Hauptquartier Tee und Kaffee und lasen im Koran. Ein Mann sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Protestbewegung habe der Militärregierung signalisiert: "Wir wollen einen Rat aus Bürgern, nicht aus Militärs."

Ein anderer Demonstrant sagte, für ihn und seine Mitstreiter gebe es "keinerlei Unterschied zwischen dieser Nacht und den vorherigen Tagen und Nächten". Sie würden so lange bleiben, bis eine zivile Übergangsregierung eingesetzt werde. Auch das Freitagsgebet - traditionell das wichtigste in der muslimischen Woche - solle diesmal vor dem Sitz des Militärs abgehalten werden.

Der drei Jahrzehnte lang autoritär herrschende Staatschef Baschir war am Donnerstag nach monatelangen Massenprotesten der Bevölkerung vom Militär gestürzt worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurde dann ein Militärrat eingesetzt. An dessen Spitze steht seit Donnerstagabend Verteidigungsminister Awad Ibnuf.


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