12.04.2019, 09:10 Uhr

Algier (AFP) Erste Freitagsdemo in Algerien seit Festlegung des Wahltermins

In Algerien steht wieder eine Freitags-Großdemo an. Quelle: AFP/RYAD KRAMDI (Foto: AFP/RYAD KRAMDI                        )In Algerien steht wieder eine Freitags-Großdemo an. Quelle: AFP/RYAD KRAMDI (Foto: AFP/RYAD KRAMDI )

Demonstranten wollen nach Bouteflika auch seine Weggefährten stürzen

Zum ersten Mal seit der Ankündigung von Präsidentschaftswahlen steht in Algerien wieder eine Freitags-Großdemo an. In Online-Netzwerken wurde zu einem Protest unter dem Motto "Sie werden alle gehen" aufgerufen. Nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Abdelaziz Bouteflika stören sich die Demonstranten unter anderem an der Einsetzung seines langjährigen Weggefährten Abdelkader Bensalah als Interimspräsident.

Bensalah hatte am Mittwoch den Wahltermin auf den 4. Juli festgelegt und "transparente" Wahlen angekündigt. Viele vor allem junge Demonstranten sehen darin aber nur die Fortsetzung eines bestehenden Systems. "Ich werde nicht wählen. Wozu auch?", sagte der 22-jährige Walid in der Hauptstadt Algier. "Am Freitag werden wir ihnen zeigen, was wir meinen, wenn wir 'Haut ab!' rufen."

Was als Protest gegen Präsident Bouteflika begann, ist innerhalb von zwei Monaten zu einer Demonstration gegen die gesamte algerische Führungselite geworden. Die Demonstranten bemängeln, Wahlen könnten innerhalb des Systems, zu dem Bouteflika gehörte, weder frei noch fair sein. Der einflussreiche Armeechef Ahmed Gaïd Salah wies die "unrealistischen Slogans" der Protestbewegung zurück.

Am Dienstag hatte die Polizei erstmals Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt. Am Freitag wurde zudem zum ersten Mal der Zugang zum alten Postgebäude in der Hauptstadt Algier abgeriegelt, einer Hauptanlaufstelle des Protestes.

Die Regierungskritiker wollen sich davon aber nicht abhalten lassen: "Wir werden mit vielen Leuten kommen, mit sehr vielen", sagte der 23-jährige Yassine. "Sie haben keine Ahnung, was ihnen blüht."


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