11.04.2019, 09:59 Uhr

Berlin (AFP) Für und Wider zu Trisomie-Bluttests als Kassenleistung im Bundestag

Bluttests zur Trisomie könnten Kassenleistung werden. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt)Bluttests zur Trisomie könnten Kassenleistung werden. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Tobias Kleinschmidt)

Befürworter verweisen auf geringes Risiko - Gegner warnen vor "Selektion"

Der Bundestag hat am Donnerstag das Für und Wider von Bluttests zum Down-Syndrom als Kassenleistung debattiert. Zahlreiche Redner wie SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sprechen sich dafür aus, die Schnelltests künftig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlen zu lassen. Eine Reihe von Abgeordneten wandte sich dagegen: Dadurch komme es zu einer "Selektion", sagte etwa die Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffer. Der Bundestag traf aber keine Entscheidung.

Lauterbach verwies auf die Risiken der alternativ möglichen Fruchtwasseranalyse, deren Kosten bereits von den Kassen übernommen werden. Der bessere Bluttest dürfe aber Frauen, die ihn sich nicht leisten könnten, nicht vorenthalten werden.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), sagte, die Kostenübernahme durch die Kassen würde die Möglichkeit schaffen, eine verpflichtende Beratung für die werdenden Eltern einzuführen - was außerhalb des Gesundheitswesens nicht möglich sei.

Die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr betonte, die Ergebnisse des Bluttests könnten den Eltern Sorgen nehmen oder es ihnen erleichtern, sich auf die Geburt vorzubereiten. Die Linken-Abgeordnete Petra Sitte verwies darauf, dass der Bluttest bereits erlaubt sei und auch ohne Kostenübernahme durch die Kasse nachgefragt bleibe - aber eben nur bei jenen, die es sich leisten könnten.

Rüffer verwies darauf, dass nach einem positiven Test die allermeisten Foeten abgetrieben würden. Der Diskurs werde weitgehend über den Kopf der Betroffenen hinweg geführt. "Wir leben in einer Gesellschaft, die ungeübt ist im Umgang mit einer Behinderung", beklagte die Mutter einer Tochter mit Trisomie 21.

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Schmidt, ebenfalls Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom, sprach sich für eine grundsätzliche Debatte über vorgeburtliche Untersuchungen aus. Es müsse für die Eltern auch das "Recht auf Nicht-Wissen" geben. Das bedeute auch, sich nicht ständig mit den Risiken der Schwangerschaft zu befassen, "sondern sich auf sein Kind zu freuen".

Der AfD-Abgeordnete Volker Münz sagte in der Debatte, wenn die Kassen die Kosten der Tests übernähmen, könne dies dazu führen, dass Kinder mit Down-Syndrom als etwas Vermeidbares wahrgenommen würden. Notwendig sei stattdessen eine "Willkommenskultur für alle Kinder".

Eine Reihe von Abgeordneten sprach sich ausdrücklich dafür aus, die Kosten nur bei Risikoschwangerschaften zu übernehmen. Dies sei eine soziale Frage und keine ethische, sagte der Vorsitzende des Bundestagsgesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU). Diese Position wird auch im Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vertreten, der letztlich die Entscheidung zur Kostenübernahme fällen muss. Auch die riskantere Fruchtwasseranalyse übernehmen die Kassen nur bei Risikoschwangerschaften.

Vor der Debatte hatte sich die evangelische Kirche für eine Kostenübernahme unter bestimmten Bedingungen ausgesprochen. Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag, der Schutz von Ungeborenen gelinge am besten, wenn die längst verfügbaren Tests nicht ungeregelt genutzt würden.

Widerspruch kam dagegen von der katholischen Kirche. Der Leiter des Büros Berlin der katholischen Bischofskonferenz, Prälat Karl Jüsten, sagte den "Stuttgarter Nachrichten" und "Stuttgarter Zeitung": "Alle Tests zur Feststellung von Trisomie 21 zielen darauf ab, eine Behinderung festzustellen." Die Kirche unterscheide "aber niemals zwischen lebenswert und nicht lebenswert".


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