08.04.2019, 12:57 Uhr

Tripolis (AFP) Dutzende Tote und tausende Vertriebene durch neue Kämpfe in Libyen

Regierungstreue Kämpfer in Libyen. Quelle: AFP/Mahmud TURKIA (Foto: AFP/Mahmud TURKIA)Regierungstreue Kämpfer in Libyen. Quelle: AFP/Mahmud TURKIA (Foto: AFP/Mahmud TURKIA)

Haftar-Miliz setzt Offensiv fort - USA und Russland fordern Ende der Kämpfe

Bei den jüngsten Kämpfen in Libyen sind nach Regierungsangaben mindestens 35 Menschen getötet worden. Rund 40 weitere Menschen seien seit Beginn der Offensive des abtrünnigen libyschen Generals Chalifa Haftar verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntagabend mit. Haftars sogenannte Libysche Nationale Armee (LNA) lieferte sich am Montag rund um die Hauptstadt Tripolis neue Gefechte mit den Truppen der international anerkannten Regierung. Die USA und Russland verlangten ein Ende der Kämpfe.

Alleine am Sonntag wurden laut Gesundheitsministerium 14 Menschen getötet. Unter den Opfern befanden sich demnach auch Zivilisten. Haftars LNA hatte am Samstag von 14 Toten in den eigenen Reihen gesprochen.

Die Haftar-Truppen rücken seit Donnerstag auf die Hauptstadt vor, in der die Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch ihren Sitz hat. LNA-Einheiten griffen nach eigenen Angaben am Sonntag erstmals Vororte von Tripolis aus der Luft an. Die Regierungstruppen starteten daraufhin eine Gegenoffensive namens "Vulkan der Wut".

Trotz internationaler Appelle zur Deeskalation dauerten die Kämpfe am Montag an. Regierungstreue Soldaten und Haftars Einheiten lieferten sich rund um den zerstörten internationalen Flughafen südlich von Tripolis neue Gefechte, wie AFP-Journalisten berichteten. Auch aus dem weiter östlich gelegenen Wadi Rabi wurden Kämpfe gemeldet.

Russland rief die Konfliktparteien am Montag zur militärischen Zurückhaltung auf. Ein weiteres "Blutvergießen und der Tod von Zivilisten" müssten verhindert werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Die USA hatten zuvor einen sofortigen Stopp von Haftars Militäroffensive gefordert. "Der einseitige militärische Feldzug gegen Tripolis gefährdet Zivilisten und untergräbt die Aussichten auf eine bessere Zukunft für alle Libyer", erklärte US-Außenminister Mike Pompeo.

Auch die Bundesregierung äußerte sich besorgt. Regierungssprecher Steffen Seibert rief Haftar auf, seine Offensive "sofort zu stoppen". Das Auswärtige Amt kündigte an, Deutschland werde sich im UN-Sicherheitsrat weiter um eine Lösung des Konflikts bemühen.

Russland hatte am Sonntag im UN-Sicherheitsrat eine Erklärung zu Libyen blockiert, in der ein Ende des Vormarsches der Haftar-Truppen gefordert werden sollte. Moskau pochte nach Diplomatenangaben darauf, dass alle Konfliktparteien zu einem Ende der Kämpfe aufgerufen werden. Die USA lehnten eine solche Änderung am Text aber ab. Russland steht ebenso wie Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hinter dem abtrünnigen General Haftar, bestreitet aber, dessen Truppen militärisch zu unterstützen.

Nach Angaben der UNO flohen mehr als 2800 Menschen vor den neuen Kämpfen in der Region Tripolis. Die UN-Menschenrechtskoordinatorin für Libyen, Maria Ribeiro, rief die Konfliktparteien am Montag erneut zu einer Waffenruhe auf, um Zivilisten und Verwundeten die Flucht aus den Kampfgebieten zu ermöglichen. Am Sonntag war der Aufruf der UNO zu einer zweistündigen Feuerpause verhallt.

Seit der Militärintervention der Nato in Libyen und dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in dem nordafrikanischen Land Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

Haftar unterstützt mit seinen Truppen eine Gegenregierung, die im Osten Libyens herrscht. Ihm war es in der Vergangenheit gelungen, mit einer Reihe erfolgreicher Militäreinsätze den Osten und große Teile des Südens Libyens unter seine Kontrolle zu bringen. Trotz der Kämpfe will die UNO nach eigenen Angaben an einer für Mitte April geplanten Allparteienkonferenz festhalten.

Die Vereinten Nationen hatten die Konferenz zur Überwindung der Krise in dem nordafrikanischen Land Ende März angekündigt. Bei dem Treffen sollen unter anderem Termine für Parlaments- und Präsidentschaftswahlen festgelegt werden.


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