05.04.2019, 13:02 Uhr

Berlin (AFP) Wirtschaftsministerium warnt wegen Fachkräftemangels vor Kneipensterben

Ein Kellner deckt einen Tisch. Quelle: dpa/AFP/Axel Heimken (Foto: dpa/AFP/Axel Heimken)Ein Kellner deckt einen Tisch. Quelle: dpa/AFP/Axel Heimken (Foto: dpa/AFP/Axel Heimken)

"Mehr Ruhetage, verringerte Öffnungszeiten, verkleinerte Speisekarten"

Es fehlen Köche, Kellnerinnen, Barkeeper: Der Fachkräftemangel im Gastgewerbe führt zusehends zu Einschränkungen für die Gäste, mancherorts muss die Kneipe deswegen sogar ganz dicht machen. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf Anfrage der FDP hervor. Die Gewerkschaft NGG erklärte am Freitag, Gründe für diese Personalnot seien auch Niedriglöhne und eine schlechte Ausbildung. Nur noch jedes vierte Hotel oder Restaurant halte sich an einen Tarifvertrag.

Die Zahl der offenen Stellen und nicht besetzten Ausbildungsplätze im Gastgewerbe wachse, heißt es in der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. "Folgen daraus können mehr Ruhetage, verringerte Öffnungszeiten oder verkleinerte Angebote auf Speisekarten, aber auch Betriebsschließungen sein."

Die Fachkräfteengpässe im Gastgewerbe könnten aus Sicht der Bundesregierung zum Hemmschuh für eine weitere gedeihliche Tourismusentwicklung werden, erklärte das Ministerium. Dies würde ländliche, oft strukturschwache Regionen besonders hart treffen. Gerade in ländlichen Regionen aber hätten Gaststätten auch eine "soziale Funktion", zum Beispiel als Begegnungsstätten für Bürger und Vereine.

Die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe ist zwar zuletzt stetig angestiegen, wie das Ministerium betonte. Im Juni 2018 gab es demnach rund 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, fast zwei Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Zudem seien in der Gastronomie rund 600.000 Minijobber beschäftigt. Doch das reicht offensichtlich nicht.

Der tourismuspolitische Sprecher der FDP Marcel Klinge, warf der Bundesregierung Untätigkeit vor: "Die Regierung unternimmt rein gar nichts gegen das drohende Wirtshaussterben", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die zuerst darüber berichtet hatten. Sie sei sich der massiven Folgen des Fach- und Arbeitskräftemangels im Gastgewerbe zwar bewusst, gehe die Probleme aber nicht an. Für Maßnahmen gebe es keine konkreten Zeitpläne oder Erfolgskontrollen - "dafür aber fünf Jahre alte Broschüren".

In der Antwort des Ministeriums, die AFP am Freitag vorlag, wird auf eine Broschüre mit dem Titel "Arbeitsmarkt- und Fachkräfteanalyse Tourismus" aus dem Jahr 2014 verwiesen - sie biete vor allem für kleine und mittlere Unternehmen im Tourismus konkrete Hilfestellungen zur Schaffung eines attraktiven Arbeitsumfelds, heißt es.

Der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Guido Zeitler, sagte AFP, der Fachkräftemangel im Gastgewerbe sei "auch hausgemacht". Hoteliers und Gastronomen, "die beim Lohn knausern und ihren Beschäftigten immer längere Arbeitszeiten zumuten", brauchten sich über fehlendes Fachpersonal und Azubis nicht zu beschweren.

Die Berufsausbildung müsse besser werden, forderte Zeitler. Im DGB-Ausbildungsreport belegten Berufe wie Koch oder Hotelfachangestellte regelmäßig die hinteren Plätze, was die Qualität der Ausbildung angehe. Die Branche weise zugleich die höchsten Abbruchquoten auf. So gefährde die Branche selbst die Zukunft des Gastgewerbes und des Tourismus in Deutschland.


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