31.03.2019, 13:51 Uhr

Kiew (AFP) Konflikt in der Ostukraine überschattet Präsidentschaftswahlen


Hoffnung auf Frieden eint Unterstützer der verschiedenen Kandidaten

Unter dem Eindruck des jahrelangen Konflikts im Osten ihres Landes haben die Ukrainer am Sonntag ihre Stimme bei der Präsidentschaftswahl abgegeben. Bei der Abstimmung traten 39 Kandidaten an - der Komiker Wolodimir Selenski, Präsident Petro Poroschenko und die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko hatten die besten Chancen. Viele Wähler erhoffen sich von ihrem Kandidaten, dass er für Frieden sorgt.

Die Wahllokale öffneten am Sonntag um 8.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MESZ), alle drei Kandidaten hatten bis zum frühen Nachmittag bereits ihre Stimme abgegeben. In Umfragen hatte der politisch unerfahrene Selenski zuletzt klar in Führung gelegen. Auch Poroschenko und Timoschenko könnten es in die Stichwahl am 21. April schaffen. Alle drei gelten als proeuropäisch. Dass ein Bewerber auf Anhieb die nötige Mehrheit erreicht, gilt als unwahrscheinlich.

Der Krieg in der Ostukraine sei "für alle die wichtigste Frage", sagte der 22-jährige Soldat Sergei bei der Stimmabgabe in Mariupol. Die Stadt liegt unweit des Gebiets, in dem bei Kämpfen mit prorussischen Rebellen seit 2014 rund 13.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Wen er wählt, wollte Sergei zwar nicht verraten. Er sagte aber, das Land und die Menschen seien des Konflikts müde.

Während ein Panzerfahrzeug und Nationalgardisten das Wahllokal in Mariupol sicherten, gab auch Oleg seine Stimme ab. Der 40-jährige Metallarbeiter warf der Regierung in Kiew vor, sie "lüge und betrüge". Er habe daher den politischen Neuling Selenski gewählt und hoffe auf "frischen Wind".

Selenski spielt in der Fernsehserie "Diener des Volkes" einen Lehrer, der unverhofft zum Präsidenten wird. Kritiker werfen dem 41-Jährigen vor, auch im echten Leben fehle ihm politische Erfahrung. Der Komiker, der vor allem bei jungen Wählern beliebt ist, hatte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP gesagt, er lerne bereits für seine mögliche neue Aufgabe: "Schließlich will ich nicht wie ein Idiot aussehen."

Der Konflikt in der Ostukraine beeinflusst auch die Entscheidung der Wähler im Westen des Landes. In Kiew sagte die 75-jährige Olena Selisowska, sie wünsche sich, dass es ihren Kindern und Enkeln besser gehe, ohne Krieg. Daher gehe ihre Stimme bei aller Kritik an Präsident Poroschenko: "Er ist zu einem schwierigen Zeitpunkt an die Macht gekommen. Natürlich hat da nicht alles funktioniert." Auch die 48-jährige Beamtin Irina in Lemberg sagte, sie habe für den Amtsinhaber gestimmt: "Ich will, dass der Krieg endlich endet, dass in der Ukraine Ruhe herrscht."

Der 53-jährige Poroschenko regiert die Ukraine seit den Maidan-Protesten im Jahr 2014. Nach dem Sturz seines kremltreuen Vorgängers Viktor Janukowitsch versprach er, die Ukraine stärker am Westen auszurichten, gegen Korruption vorzugehen und den bewaffneten Konflikt im Osten zu beenden. Der Konflikt schwelt jedoch weiter, die Korruption ist allgegenwärtig.

Zwei Männer in Kiew sagten der Nachrichtenagentur AFP, ihre Unterstützung gelte Julia Timoschenko. Der 79-jährige Rentner Wolodimir verglich sie mit Margaret Thatcher und Angela Merkel. Eduard, ebenfalls Rentner, sagte, eine Frau könne den Krieg beenden. Timoschenko hatte im Wahlkampf gezielt um ältere Wähler geworben. Sie versprach eine Senkung der Gaspreise und kündigte eine Rentenerhöhung an.

Erkenntnisse aus Wählerbefragungen sollen bereits unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) veröffentlicht werden. Bis erste Ergebnisse vorliegen, dürfte es danach aber noch mehrere Stunden dauern.


0 Kommentare