31.03.2019, 08:04 Uhr

Berlin (AFP) Familienministerin Giffey spricht sich für Einführung von Masern-Impfpflicht aus

Impfpass mit Eintrag zu Masern. Quelle: dpa/AFP/Hauke-Christian Dittrich (Foto: dpa/AFP/Hauke-Christian Dittrich)Impfpass mit Eintrag zu Masern. Quelle: dpa/AFP/Hauke-Christian Dittrich (Foto: dpa/AFP/Hauke-Christian Dittrich)

Umfrage: Klare Mehrheit der Bundesbürger für verpflichtende Impfung

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich für eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. "Der Staat muss dann handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen ist", erklärte Giffey am Wochenende zur Begründung. Einer Umfrage des Instituts Emnid für die "Bild am Sonntag" zufolge sind 77 Prozent der Deutschen für eine solche Verpflichtung.

Es gehe nicht nur um die Verantwortung jedes Einzelnen für sich und seine Kinder, sondern auch um die Verantwortung für andere Menschen, fuhr Giffey fort. Eine Impfflicht einzuführen sei indes "keine leichtfertige Entscheidung", sondern müsse das Ergebnis einer "sorgfältigen Abwägung" sein.

Unterstützung für die Einführung einer Masern-Impfpflicht kam zuletzt auch von Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Im Bundesgesundheitsministerium laufen derzeit Gespräche über verpflichtende Impfungen von Kindern gegen Masern. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält sie in Kitas und Schulen für sinnvoll.

In der Emnid-Umfrage sprachen sich 77 Prozent für eine Masern-Impfpflicht aus, 20 Prozent dagegen. In Ostdeutschland war die Zustimmung mit 90 sogar noch deutlich höher, in Westdeutschland waren es 74 Prozent. Befragt wurden am vergangenen Donnerstag 506 Menschen.

Über eine Impfpflicht wurde in Deutschland bereits wiederholt diskutiert, vor allem nach regionalen schweren Masernausbrüchen. Anlass der aktuellen Debatte ist eine verstärkte Häufung von Masernfällen unter anderem im Raum Hildesheim.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ablehnung von Impfungen kürzlich zu einer der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt, weil vor allem die medizinisch mögliche Ausrottung der Masern durch die in den Industrieländern verbreitete Verweigerung von Impfungen verhindert werde. Impfgegner verbreiten mitunter die medizinisch unhaltbare Behauptung, es gebe einen Zusammenhang zwischen der Impfung und Autismus.

Masern sind extrem ansteckend und potenziell tödlich. Neben der akuten Erkrankung kann es als Spätfolge zu einer Entzündung des Gehirns kommen.


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