31.03.2019, 12:12 Uhr

Gaza (AFP) Vier Tote bei Palästinenser-Protesten im Gazastreifen


Israel öffnet nach tagelanger Schließung Grenzübergänge zu Küstenstreifen

Neue Gewalt nach den Massenprotesten im Gazastreifen gegen Israel: Aus der palästinensischen Enklave wurden in der Nacht zum Sonntag Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Daraufhin beschossen israelische Panzer nach Angaben der Armee Militärposten der radikalislamischen Hamas. Bei großen Demonstrationen an der Grenze waren am Samstag vier Palästinenser getötet worden. Israel öffnete am Sonntag aber nach tagelanger Schließung wieder seine Grenzübergänge zu dem isolierten Küstenstreifen.

Durch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen habe es keine Opfer gegeben, erklärte die israelische Armee. Augenzeugen aus Gaza berichteten, die israelischen Panzer hätten auf Hamas-Stellungen im Zentrum des Gazastreifens und östlich von Gaza-Stadt gefeuert. Auch hier habe es keine Opfer gegeben.

An der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel war es am Samstag zu Zusammenstöße zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Armee gekommen. Drei 17-Jährige und ein 20-Jähriger seien von der israelischen Armee am Samstag erschossen worden, erklärte das Gesundheitsministerium der von der radikalislamischen Hamas geführten Regierung in Gaza.

Israelische Soldaten setzten Tränengas ein, um die Menschen von dem schwer gesicherten Grenzzaun fernzuhalten, wie AFP-Reporter berichteten. Palästinenser warfen Steine auf israelische Soldaten und steckten Autoreifen in Brand.

Zehntausende Palästinenser waren einem Aufruf der Hamas gefolgt, am Jahrestag der massiven Protestwelle erneut zu demonstrieren. Das Nachbarland Ägypten versuchte am Samstag weiter, zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln. Eine ägyptische Sicherheitsdelegation besuchte einen Kundgebungsort nahe der Stadt Gaza. Ägypten will verhindern, dass die Proteste wie im vergangenen Jahr in wochenlange Gewalt mit zahlreichen Toten umschlagen.

Hamas-Vertreter erklärten, es sei eine Einigung erzielt worden, nach der Israel seine Blockade des Gazastreifens lockern würde. Im Gegenzug sollten die Proteste an der Grenze friedlich bleiben.

Israel öffnete später nach tagelanger Schließung wieder seine Grenzübergänge zum Gazastreifen. Der Übergang Eres für Personen und der Übergang Kerem Schalom für Waren seien seit dem Morgen wieder in Betrieb, sagte eine Sprecherin des israelischen Verteidigungsministeriums am Sonntag. Israel hatte die Übergänge am Montag in Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen geschlossen.

Seit dem ersten "Großen Marsch der Rückkehrer" am 30. März 2018 waren bei den wöchentlichen Protesten mindestens 258 Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden. Die Proteste richten sich gegen Vertreibung und Landnahme durch Israel.

Die jüngsten Konfrontationen erfolgten kurz vor der Parlamentswahl in Israel am 9. April. Der Hardliner und langjährige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kämpft um eine weitere Amtszeit.

Im verarmten Gazastreifen zwischen Israel, Ägypten und dem Mittelmeer wohnen zwei Millionen Palästinenser. Beobachter verweisen auf die desolaten Lebensbedingungen und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit als Gründe für die Demonstrationen.


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