29.03.2019, 14:02 Uhr

Berlin (AFP) Arbeitslose ohne Ausbildung nur selten in Weiterbildung für Berufsabschluss

Schild in Rendsburg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder (Foto: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder)Schild in Rendsburg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder (Foto: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder)

Linke: Regierung überlässt Betroffene ihrem Schicksal

Viele Arbeitslose haben keine Berufsausbildung abgeschlossen - doch nur wenige von ihnen absolvieren Weiterbildungsmaßnahmen mit dem Ziel, eine solche Qualifikation zu erlangen. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die am Freitag der Nachrichtenagentur AFP vorlagen. Die Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann warf der Bundesregierung vor, sich um die Betroffenen nicht zu kümmern. Das Arbeitsministerium kündigte für den Sommer "konkrete Vorschläge" an.

Dabei solle "auch das Thema Nachholen von Berufsabschlüssen in den Blick" genommen werden, erklärte Arbeits-Staatssekretär Björn Böhning. Die Zahlen zeigten den "dringenden Handlungsbedarf" beim Thema Weiterbildung. Böhning verwies in dem Zusammenhang auf das am 1. Januar in Kraft getretene Qualifizierungschancengesetz, mit dem Beschäftigte, die vom Strukturwandel betroffen sind, bei der Weiterbildung besser gefördert würden. Auch mit der "Nationalen Weiterbildungsstrategie" werde die Regierung den Zugang zu Weiterbildung für geringqualifizierte Arbeitslose erleichtern, etwa durch neue Anreize und bessere finanzielle Förderung.

Den von Zimmermann abgefragten BA-Zahlen zufolge gab es im Februar in Deutschland gut 1,2 Millionen Arbeitslose ohne Ausbildung. Nach den letzten verfügbaren Zahlen von September nahmen jedoch nur rund 70.600 Betroffene an einer Weiterbildung teil, die zu einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf führt. Das entspricht einem Anteil von weniger als sechs Prozent.

"Die Arbeitsmarktpolitik der letzten Bundesregierungen bestand überwiegend darin, einen Großteil der erwerbslosen Menschen einfach abzuschreiben und ihrem Schicksal zu überlassen", sagte Zimmermann AFP. Oft würden Erwerbslose bei Bemühungen um eine Weiterbildung von Arbeitsagenturen und Jobcentern zurückgewiesen. "Dies sorgt für Frustration und Resignation."

Zimmermann verwies zudem auf die sehr unterschiedlichen Arbeitslosenquoten für Menschen mit und ohne Berufsabschluss. Während die Quote für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung vergangenes Jahr bei 18,3 Prozent lag, waren es bei Menschen mit Berufsabschluss lediglich 3,0 Prozent. "Ohne Berufsabschluss ist das Risiko der Erwerbslosigkeit deutlich erhöht, dies zeigen immer wieder Studien", betonte sie.

Als Konsequenz forderte Zimmermann, "deutlich mehr Mittel zur Unterstützung" zur Verfügung zu stellen. Auch müsse ein Rechtsanspruch auf regelmäßige Weiterbildung eingeführt werden.


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