29.03.2019, 12:51 Uhr

Krefeld (AFP) Prozess gegen Heilpraktiker nach Tod von drei Krebspatienten begonnen

Angeklagter und Verteidigerin vor Prozessbeginn. Quelle: dpa/AFP/Henning Kaiser (Foto: dpa/AFP/Henning Kaiser)Angeklagter und Verteidigerin vor Prozessbeginn. Quelle: dpa/AFP/Henning Kaiser (Foto: dpa/AFP/Henning Kaiser)

61-Jähriger soll laut Anklage überdosierte Infusionslösungen verabreicht haben

Vor dem Landgericht Krefeld hat am Freitag der Prozess gegen einen Heilpraktiker begonnen, dem die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung von drei Krebspatienten vorwirft. Laut der zu Beginn der Verhandlung verlesenen Anklageschrift soll der 61-Jährige in seiner Praxis in Brüggen-Bracht insgesamt vier Erkrankten erheblich überdosierte Infusionslösungen mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat verabreicht haben. Drei Patienten starben demnach in der Folge.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Heilpraktiker beim Zubereiten der Infusionslösungen im Juli 2016 eine ungeeignete Waage benutzt haben. Neben fahrlässiger Tötung wirft die Anklage dem Mann auch fahrlässige Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vor. Für den Prozess beraumte die Krefelder Strafkammer zunächst weitere neun Verhandlungstage bis zum 26. Juni an.

Der Fall des Heilpraktikers aus Brüggen hatte bundesweit Aufsehen erregt und Spekulationen ausgelöst, dass es in der Praxis eine weit größere Zahl von Todesfällen gegeben haben könnte. Dafür ergaben sich aber keine Anhaltspunkte.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bekräftigte angesichts des Prozessbeginns ihre Forderung nach einer grundlegenden Reform des Heilpraktikerrechts. "Für den Schutz der Patienten gibt es bislang keine klaren Regeln", kritisierte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch. Weiter fehlten bundesweit einheitliche Standards für den Heilpraktikerberuf. So könnten Patienten kaum zwischen einem seriösen Anbieter und einem Scharlatan unterscheiden.

"Es braucht dringend eine deutschlandweit einheitliche, verpflichtende Ausbildung oder ein Studium", mahnte Brysch. Grundlage hierfür müssten klar definierte Lehr- und Studienpläne sein. "Es darf nicht sein, dass es in Deutschland weiterhin einfacher ist, Heilpraktiker zu werden als Krankenpfleger." Außerdem müsse für Heilpraktiker künftig die Regel gelten, dass alles verboten sei, was nicht ausdrücklich erlaubt sei.


0 Kommentare