28.03.2019, 01:47 Uhr

San Francisco (AFP) Bayer-Tochter Monsanto muss in Glyphosat-Prozess 81 Millionen Dollar zahlen

Kläger Edwin Hardeman mit seiner Ehefrau Mary. Quelle: AFP/Julie CHARPENTRAT (Foto: AFP/Julie CHARPENTRAT)Kläger Edwin Hardeman mit seiner Ehefrau Mary. Quelle: AFP/Julie CHARPENTRAT (Foto: AFP/Julie CHARPENTRAT)

Mutterkonzern will US-Gerichtsentscheidung für krebskranken Rentner anfechten

Weiterer Rückschlag für den Chemieriesen Bayer: Das zu dem deutschen Konzern gehörende US-Unternehmen Monsanto muss fast 81 Millionen Dollar (knapp 72 Millionen Euro) an den an Krebs erkrankten US-Bürger Edwin Hardeman zahlen. Monsanto habe nicht genügend vor den Risiken des Einsatzes des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup gewarnt, befand eine Jury im US-Bundesstaat Kalifornien am Mittwoch.

Der 70-jährige Rentner hatte das Herbizid über viele Jahre hinweg auf seinem Grundstück eingesetzt. Bereits im August hatte eine Jury in San Francisco das Unternehmen zur Zahlung von Schadenersatz in Millionenhöhe an den ebenfalls an Krebs erkrankten früheren Schulhausmeister Dewayne Johnson verurteilt.

Bayer erklärte am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme, es sei "über das Urteil der Jury enttäuscht" und kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Das Unternehmen bekräftigte seine Ansicht, wonach das Herbizid nicht krebserregend ist.

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Die Anwältinnen Hardemans, Aimee Wagstaff und Jennifer Moore, begrüßten die einstimmig getroffene Entscheidung. Monsanto seien die gesundheitlichen Folgen des Herbizid-Einsatzes offensichtlich egal, erklärten sie. Zugleich versuche das Unternehmen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Die Bayer-Aktie war bereits vergangene Woche massiv eingebrochen, nachdem die Jury des US-Bundesgerichts in San Francisco zu dem Schluss gekommen war, dass Roundup ein "wesentlicher Faktor" für die Krebserkrankung des Klägers gewesen sei. In einem zweiten Schritt erfolgte dann am Mittwoch die Entscheidung, dass Monsanto dafür haftbar gemacht werden könne.

Als problematisch für das Unternehmen sehen Analysten vor allem, dass tausende weitere Klagen von Krebskranken gegen Monsanto bei US-Gerichten eingegangen sind. Zwar ist der Ausgang des Verfahrens in San Francisco nicht rechtlich bindend für weitere Klagen in den USA. Allerdings gibt der Prozess klare Hinweise auf die Erfolgsaussichten.

Bayer hatte die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto erst im vergangenen Juni abgeschlossen. Seitdem hat der Leverkusener Konzern rund 40 Prozent an Börsenwert eingebüßt.

Die Jury-Entscheidung vom Mittwoch war für Monsanto nicht die erste juristische Niederlage. In einem anderen Prozess im August hatte eine Jury in San Francisco das Unternehmen zur Zahlung von Schadenersatz an den früheren Schulhausmeister Johnson verurteilt, der das Herbizid ebenfalls über Jahre hinweg eingesetzt hatte. Bayer legte gegen dieses Urteil Rechtsmittel ein.


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