25.03.2019, 21:39 Uhr

Gaza (AFP) Hamas verkündet Waffenruhe mit Israel

Raketenangriff auf Büro des Hamas-Anführerrs in Gaza. Quelle: AFP/Mahmud Hams (Foto: AFP/Mahmud Hams)Raketenangriff auf Büro des Hamas-Anführerrs in Gaza. Quelle: AFP/Mahmud Hams (Foto: AFP/Mahmud Hams)

Keine Bestätigung aus Israel nach Vergeltungsangriffen auf Hamas-Stellungen

Nach den jüngsten Raketenangriffen aus dem Gazastreifen und den israelischen Vergeltungsschlägen hat sich die Lage offenbar beruhigt. Die im Gazastreifen regierende Hamas verkündete am Montagabend eine Waffenruhe mit Israel. Von israelischer Seite wurde die Einigung zunächst nicht bestätigt. Aus dem Palästinensergebiet waren zuvor mehrere Raketen auf Israel abgefeuert worden, eine davon traf ein Wohnhaus nahe Tel Aviv. Die israelische Armee bombardierte ihrerseits mehrere Ziele im Gazastreifen.

Die Waffenruhe zwischen den bewaffneten Palästinensergruppen und Israel sei unter Vermittlung Ägyptens ausgehandelt worden, sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum. Israel ließ die Äußerungen zunächst unkommentiert.

Die jüngsten Spannungen waren am Montagmorgen von einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ausgelöst worden. Das Geschoss schlug in einem Wohnhaus nördlich von Tel Aviv ein. Sieben Menschen wurden nach Krankenhausangaben verletzt, darunter drei Kinder. Israel machte die radikalislamische Hamas für den Angriff verantwortlich, welche die Anschuldigungen zurückwies.

Als Vergeltung griff die israelische Luftwaffe anschließend dutzende Ziele im Gazastreifen an. Dabei wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen unter anderem das Büro von Hamas-Chef Ismail Hanija zerstört, der sich während des Angriffs aber offenbar nicht in dem Gebäude aufhielt. Sieben Menschen wurden laut dem Gesundheitsministerium im Gazastreifen verletzt.

Später wurden weitere Raketen aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet abgefeuert, wie ein AFP-Journalist berichtete. Im Süden des Landes ertönten Alarmsirenen. Die Hamas und der Islamische Dschihad bekannten sich zu diesen Angriffen, die sie als Reaktion auf das Vorgehen der israelischen Armee bezeichneten. Berichte über Verletzte oder Sachschäden lagen zunächst nicht vor.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte nach dem Raketenangriff am Montagmorgen eine entschlossene Reaktion angekündigt und damit Sorge vor einer neuen Eskalation im Nahen Osten geschürt. Bei einer Pressekonferenz in Washington bekräftigte er später: "Wir werden tun, was nötig ist, unser Volk und unseren Staat zu verteidigen."

Israel werde solche Angriffe nicht hinnehmen, sagte er an der Seite von US-Präsident Trump. Der stärkte seinem Verbündeten den Rücken. Washington erkenne das "Recht Israels an, sich zu verteidigen", sagte er. Netanjahu wollte nach dem Treffen im Weißen Haus umgehend nach Israel zurückkehren.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Er verurteilte den Raketenangriff auf Israel und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Ähnlich äußerte sich die Bundesregierung. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes warnte vor "einer immer schwerer zu kontrollierenden Situation".

Erst am 14. März waren zwei Raketen vom Gazastreifen in Richtung Tel Aviv abgefeuert worden. Opfer oder Schäden gab es nicht. Israel reagierte darauf und auf weitere Raketenangriffe nach eigenen Angaben mit der Bombardierung von rund hundert Hamas-Stellungen im Gazastreifen.

Für zusätzliche Spannungen in der Region könnte die Entscheidung Trumps sorgen, Israels Souveränität über die besetzten syrischen Golanhöhen offiziell anzuerkennen. In Anwesenheit Netanjahus unterzeichnete der US-Präsident am Montag im Weißen Haus ein entsprechendes Dekret. "Das hat sich schon lange angebahnt", kommentierte der US-Präsident den Bruch mit dem jahrzehntelangen internationalen Konsens, die israelische Annexion des Gebiets nicht anzuerkennen.

Trump hatte sich bereits am Donnerstag dafür ausgesprochen, die seit 1967 besetzten Golanhöhen als Teil Israels anzuerkennen, und damit international Proteste ausgelöst. In einer ersten Reaktion nannte Syrien die jetzt erfolgte Anerkennung einen unverhohlenen Angriff auf seine Souveränität.

Auch Russland, ein wichtiger Verbündeter der Regierung in Damaskus, kritisierte die Entscheidung. Das Außenministerium in Moskau warnte vor einer "neuen Welle der Spannungen" im Nahen Osten. Die UNO betonte, der Status der Golanhöhen habe sich durch die Entscheidung der USA nicht geändert.

Die Golanhöhen sind seit Jahrzehnten ein großer Streitpunkt im Nahost-Konflikt, da das Hochplateau an der Grenze von Israel und Syrien von hoher strategischer Bedeutung ist.

Die UN-Beobachtermission Undof überwacht seit 1974 die Pufferzone auf den Golanhöhen und den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien. Damaskus macht eine Friedensregelung von der Rückgabe der Golanhöhen abhängig.


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