23.03.2019, 16:59 Uhr

Baghus (AFP) IS-Miliz in letzter Bastion in Syrien besiegt


Kurden und westliche Politiker warnen aber vor anhaltender Bedrohung durch IS

Nach fünf Jahren Schreckensherrschaft in weiten Teilen Syriens und des Irak ist die letzte Bastion der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefallen: Kämpfer der kurdisch-arabischen Allianz SDF eroberten in Syrien den Ort Baghus nahe der irakischen Grenze, wie ein SDF-Sprecher am Samstag mitteilte. Die Regierungen in Berlin, Paris und London würdigten den nach erbitterten Gefechten errungenen Sieg, warnten aber auch, dass damit die Bedrohung durch die IS-Miliz noch nicht vorbei sei.

Das vor knapp fünf Jahren vom IS ausgerufene "Kalifat" im Irak und Syrien sei nun "vollständig" beseitigt, sagte ein Sprecher der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die bei ihren Kämpfen gegen die Dschihadisten vom US-Militär aus der Luft unterstützt wurden. Was vom IS jetzt noch übrig sei, werde "verfolgt und vernichtet".

Der SDF-Oberkommandierende Mazlum Kobane sagte bei einer Zeremonie auf dem Ölfeld von Al-Omar bei Baghus, der Kampf gegen die "Terroristen" gehe nun in eine neue Phase. Künftige Militäreinsätze würden sich gegen IS-Schläferzellen richten, "die eine große Bedrohung für unsere Region und die ganze Welt" seien. Ähnlich äußerte sich der US-Gesandte für die Anti-IS-Koalition, William Roebuck, der an der Zeremonie teilnahm.

Zum Zeichen ihres Siegs hissten SDF-Kämpfer ihre gelbe Fahne über Baghus am Ufer des Euphrat, wo Dschihadisten bis zuletzt Widerstand geleistet hatten. In Al Omar vollführten SDF-Kämpfer, unter ihnen viele Frauen, Freudentänze. SDF-Kommandeur Kobane rief Damaskus zum Dialog auf. Er forderte eine politische Lösung mit der Anerkennung der Autonomie der Kurden in Nordsyrien.

Das Weiße Haus hatte bereits am Freitag die Vertreibung des IS aus Baghus verkündet, obwohl die Kämpfe zu dem Zeitpunkt laut SDF noch andauerten. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach die endgültige Niederlage des IS angekündigt.

Die Schlussoffensive zur Einnahme von Baghus hatte am 9. Februar begonnen. Es war die letzte Phase eines im September 2018 gestarteten Einsatzes, um den Dschihadisten die Kontrolle über ihre letzten Gebiete in Syrien zu entreißen.

Die IS-Kämpfer setzten auch Selbstmordattentäter zu ihrer Verteidigung ein. Zehntausende Menschen flohen aus Baghus, darunter viele Frauen und Kinder. Tausende Dschihadisten wurden gefangengenommen, viele Ausländer, unter ihnen auch Deutsche.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab die Zahl der getöteten SDF-Kämpfer während der sechsmonatigen Gefechte mit mehr als 750 an, die der Dschihadisten mit rund 1600. Zudem seien mehr als 630 Zivilisten getötet worden, 209 Kinder und 157 Frauen, darunter Angehörige von IS-Kämpfern.

Der IS hatte 2014 weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht und auf einem Gebiet von der Größe Großbritanniens ein "Kalifat" ausgerufen. In ihrer inoffiziellen Hauptstadt Raka in Nordsyrien errichteten die Dschihadisten eine Schreckensherrschaft mit Enthauptungen, Steinigungen und der sexuellen Versklavung von Frauen der kurdischsprachigen Minderheit der Jesiden.

Im Irak galt der IS bereits 2017 als besiegt. Mit der Einnahme von Baghus ist das "Kalifat" nun Geschichte. Die Dschihadisten sind aber weiterhin in der Badia-Wüste präsent. In Syrien und im Irak verfügen sie überdies über zahlreiche Zellen, die immer wieder Anschläge verüben. International gibt es Befürchtungen, dass der IS nun im Untergrund ein globales Terrornetzwerk aufbauen könnte.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) würdigte den Einsatz der Anti-IS-Koalition, doch gehe weiter eine "erhebliche Gefahr" vom IS aus, der seine Terroraktivitäten in Syrien und Irak "in den Untergrund" verlagere, warnte er. Das Engagement der Anti-IS-Koalition gehe daher weiter.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte, nach dem Fall von Baghus sei zwar eine "große Gefahr" für Frankreich beseitigt. Auch er warnte aber vor der weiter bestehenden "Bedrohung". Die britische Premierministerin Theresa May würdigten den Sieg und lobte den Einsatz der Anti-IS-Truppen.


0 Kommentare