19.03.2019, 15:16 Uhr

Lyon (AFP) Papst lehnt Rücktritt von verurteiltem französischen Kardinal Barbarin ab

Kardinal Barbarin (l.) und Papst Franziskus. Quelle: AFP/Archiv/ALBERTO PIZZOLI (Foto: AFP/Archiv/ALBERTO PIZZOLI)Kardinal Barbarin (l.) und Papst Franziskus. Quelle: AFP/Archiv/ALBERTO PIZZOLI (Foto: AFP/Archiv/ALBERTO PIZZOLI)

Franziskus macht im Fall um Missbrauchsvertuschung "Unschuldsvermutung" geltend

Ein französisches Gericht hat den obersten katholischen Würdenträger Frankreichs wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch verurteilt - doch Papst Franziskus lehnt den Rücktritt des Erzbischofs von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, ab. Der Heilige Vater akzeptiere das Rücktrittsangebot Barbarins nicht, teilte der Vatikan am Dienstag mit. Missbrauchsopfer zeigten sich "schockiert" über die Entscheidung des Papstes. Die französische Bischofskonferenz äußerte sich "erstaunt".

Nach Angaben des Kardinals machte der Papst bei einer Privataudienz in Rom am Montag die "Unschuldsvermutung" für seinen Oberhirten in Frankreich geltend. Dies bezieht sich offenbar darauf, dass die Anwälte Barbarins in Berufung gehen wollen. Der 68-jährige Kardinal war vor knapp zwei Wochen von einem Gericht in Lyon zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch einen Priester verschwiegen hatte.

Der Vatikan erklärte, Papst Franziskus überlasse es dem Kardinal selbst, "die angemessenste Entscheidung für seine Diözese zu fällen". Barbarin kündigte an, er werde sein Amt als Erzbischof von Lyon nun zunächst ruhen lassen. Die Geschäfte soll Generalvikar Yves Baumgarten übernehmen.

Vertreter der Missbrauchsopfer nannten die Entscheidung des Papstes "schockierend" und "unglaublich". Der Mitgründer des Opferverbandes La Parole libérée (das freie Wort), François Devaux, sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Das ist ein Fehler zu viel." Der Papst werde "die Kirche töten", wenn er verurteilte Würdenträger weiter in Schutz nehme.

Die katholische Bischofskonferenz Frankreichs äußerte sich "erstaunt" und nannte die Entscheidung des Papstes "beispiellos": Franziskus versuche damit, zwei Dinge zu vereinen, erklärte der Vorsitzende Georges Pontier: den Respekt für die Justiz und die Sorge um das Wohlwollen der Erzdiözese Lyon.

Der Fall von Kardinal Barbarin hatte in Frankreich für große Empörung gesorgt. Die Missbrauchsopfer machten in dem Prozess geltend, er habe jahrelang den Priester Bernard Preynat gedeckt, der sexuelle Übergriffe auf Jungen gestanden hat. Preynat soll die Pfadfinder vor allem in den 80er Jahren missbraucht haben. Dem Priester steht ein eigenes Verfahren noch bevor, ein Teil der Vorwürfe dürfte aber verjährt sein.

Die katholische Kirche wird seit Jahren von zahlreichen Missbrauchsskandalen erschüttert. Franziskus hatte Aufklärung versprochen. Eine Missbrauchskonferenz im Vatikan Ende Februar brachte aber nach Einschätzung von Opferverbänden zu wenig konkrete Ergebnisse.


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