18.03.2019, 15:50 Uhr

Utrecht (AFP) Drei Tote bei mutmaßlich "terroristischem" Angriff in Utrecht


Schütze weiter auf der Flucht - Kontrollen an deutsch-niederländischer Grenze

Bei einem mutmaßlich "terroristischen" Angriff in einer Straßenbahn im niederländischen Utrecht hat ein Schütze mindestens drei Menschen getötet. Neun weitere Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer, wie der Bürgermeister von Utrecht, Jan van Zanen, am Montag bekanntgab. Der Täter konnte fliehen. Die Polizei fahndete mit einem Foto nach einem türkischstämmigen Verdächtigen. Der niederländische Regierungschef Mark Rutte verurteilte den "Terrorakt". An der deutsch-niederländischen Grenze wurden die Kontrollen verstärkt.

Die Polizei suchte im Zusammenhang mit dem Angriff auf dem Platz des 24. Oktober nach dem 37-jährigen Gökmen Tanis. Die Beamten veröffentlichten im Kurzbotschaftendienst Twitter ein Foto des in der Türkei geborenen Mannes und baten die Bürger, nach dem Verdächtigen Ausschau zu halten.

Die Beamten schlossen jedoch zunächst nicht aus, dass es mehrere Angreifer gab. Nach Angaben von Bürgermeister van Zanen gingen die Behörden davon aus, "dass es ein terroristischer Angriff war".

Wie der Chef der niederländischen Anti-Terror-Behörde, Pieter-Jaap Aalbersberg, sagte, fielen in Utrecht Schüsse sogar "an mehreren Stellen" der Stadt. Die Polizei sei mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den flüchtigen Schützen zu fassen.

Bewaffnete Anti-Terror-Einheiten, unterstützt von einer Hundestaffel, umstellten ein Gebäude in der Nähe des Tatorts, wie ein AFP-Journalist berichtete. Zunächst blieb jedoch offen, ob sich der Schütze in dem Gebäude befand.

Ministerpräsident Rutte zeigte sich entschlossen angesichts des Angriffs. "Wir werden vor der Intoleranz nicht zurückweichen", sagte er. "Ein Terrorakt ist ein Angriff gegen unsere Zivilisation, gegen unsere tolerante und offene Gesellschaft." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach den Opfern und deren Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Auf Fotos, die von örtlichen Medien verbreitete wurden, waren maskierte und bewaffnete Polizisten und Rettungswagen rund um eine Straßenbahn zu sehen. Der Straßenbahnverkehr in der Gegend wurde eingestellt.

Die Terrorwarnung für Utrecht wurde nach Angaben von Aalbersberg auf die höchste Stufe erhöht. Die Militärpolizei verschärfte nach eigenen Angaben die Sicherheitsvorkehrungen für Flughäfen und wichtige Gebäude in den Niederlanden.

An der deutsch-niederländischen Grenze wurden die Kontrollen hochgefahren. Es gebe eine "erhöhte Kontrolldichte", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Aus laufendem Verkehr würden Fahrzeuge kontrolliert.

Das Bundespolizeipräsidium in Potsdam teilte mit, die Bundespolizei habe "ihre grenzpolizeilichen Fahndungsmaßnahmen unter anderem an der deutsch-niederländischen Grenze sowie im bahnpolizeilichen Bereich intensiviert".

Auch die Landespolizei in Nordrhein-Westfalen verschärfte ihre Kontrollen. "Die Fahndungsmaßnahmen sind hochgefahren", sagte ein Sprecherin des Innenministeriums in Düsseldorf. Eine "systematische Fahndung" gebe es unter anderen im Umfeld von Bahnhöfen und Flughäfen sowie an Pendlerparkplätzen und Tiefgaragen.

Das Auswärtige Amt in Berlin verschärfte seine Reisehinweise für Utrecht. Besucher sollten die Lage in örtlichen Medien verfolgen und den Anweisungen der Polizei folgen. Zudem sollten sie bis zur Entwarnung in "sicheren Unterkünften" bleiben.

Utrecht liegt südöstlich von Amsterdam. Ministerpräsident Mark Rutte wurde nach Angaben von Regierungsvertretern aus einer Kabinettssitzung geholt und über den Vorfall informiert.

Anders als in vielen Nachbarländern sind die Niederlande in den vergangenen Jahren von Terroranschlägen verschont geblieben. In den vergangenen Monaten gab es allerdings eine Reihe bedrohlicher Vorfälle.

So vereitelte die niederländische Polizei erst im September nach eigenen Angaben einen großen Anschlag. In den Städten Arnheim und Weert wurden sieben Verdächtige festgenommen, die einen islamistischen Anschlag auf eine Großveranstaltung geplant haben sollen. In den Wohnungen der Verdächtigen fanden die Ermittler große Mengen an Materialien zur Herstellung von Bomben, darunter hundert Kilogramm Dünger.

Ende August war ein 19-jähriger Afghane mit Wohnsitz in Deutschland am Amsterdamer Bahnhof mit einem Messer auf Passanten losgegangen. Zwei US-Bürger wurden dabei schwer verletzt. Die Ermittler gehen von einem "terroristischen" Motiv aus.


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