13.03.2019, 17:41 Uhr

Baghus (AFP) Verbliebene Dschihadisten in letzter Bastion unter heftigem Beschuss

Angriff auf die IS-Bastion Baghus. Quelle: AFP/Delil SOULEIMAN (Foto: AFP/Delil SOULEIMAN)Angriff auf die IS-Bastion Baghus. Quelle: AFP/Delil SOULEIMAN (Foto: AFP/Delil SOULEIMAN)

Tausende IS-Kämpfer in syrischem Dorf ergeben sich den Belagerern

Von ihrer letzten Bastion in Syrien aus haben die verbliebenen Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) am Mittwoch noch einmal eine Offensive gestartet. Ein Sprecher der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sprach von zwei Gegenangriffen. Dabei seien auch Selbstmordattentäter eingesetzt worden. Zuvor hatten sich erneut tausende Dschihadisten ergeben.

Ein SDF-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Dschihadisten hätten zwei Angriffe gestartet, einen am Mittwochmorgen und einen am Nachmittag. Der zweite sei "viel stärker" gewesen. Bei seinen Attacken habe der IS auch Selbstmordattentäter eingesetzt, sie seien aber gestoppt worden, ehe sie ihre Ziele erreichten: "Die Dschihadisten sind nicht vorwärts gekommen und wurden aufgehalten."

"Die letzten Stunden der IS-Miliz haben begonnen", sagte Dschiaker Amed von den SDF. "Es könnte ihr letzter Angriff gewesen sein." Ein weiterer SDF-Kämpfer sagte, ein am Mittwoch aufgezogener Sandsturm helfe derzeit der IS-Miliz. "Aber alle kommenden Tage gehören uns", fügte er hinzu.

Die Kämpfer des kurdisch-arabischen Bündnisses feuerten mit Mörsern und Artillerie auf ein Zeltlager, in dem sich die letzten Dschihadisten am Ufer des Euphrat verschanzt haben. Es ist alles, was vom "Kalifat" der Dschihadisten in Syrien und dem Irak geblieben ist. Die SDF wollen mit dem Beschuss die verbliebenen Kämpfer und ihre Angehörigen zur Aufgabe zwingen.

Am Dienstag hatten erneut tausende Dschihadisten kapituliert. Der SDF-Sprecher Mustefa Bali sagte, 3000 IS-Mitglieder hätten sich seit Montag ergeben. Seit dem Beginn der Belagerung im Dezember verließen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits rund 60.000 Menschen die letzte IS-Bastion. Jeder Zehnte war demnach ein IS-Kämpfer.

Die SDF-Einheiten hatten ihre Angriffe in den vergangenen Wochen wiederholt ausgesetzt, um den IS-Kämpfern und Zivilisten den Abzug zu ermöglichen, doch am Sonntag nahmen sie die Offensive wieder auf. Unterstützt wurden sie dabei von Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition. "Die Schlacht dauert an, und die letzte Stunde rückt näher", erklärte SDF-Sprecher Bali im Online-Dienst Twitter.

Ein AFP-Reporter sah außerhalb von Baghus kleine Gruppen von IS-Anhängern, die auf einem Feld auf den Abtransport warteten. Die unerwartet große Zahl von Kämpfern und ihren Angehörigen in Baghus stellt die SDF-Einheiten vor große Herausforderungen. Das Lager Al-Hol im kurdischen Nordosten, in das die Frauen und Kinder gebracht wurden, ist schon völlig überfüllt.

In einer auf ihren Propagandakanälen veröffentlichten Videobotschaft rief die IS-Miliz am Dienstag ihre verbliebenen Kämpfer in Baghus zum Durchhalten auf. "Die Schlacht ist noch nicht vorbei", sagte ein Mann in dem Video. "Auch wenn uns nur noch wenige Kilometer bleiben und gesagt wird, wir hätten verloren, sind Gottes Beurteilungskriterien doch andere."

Mit der Einnahme von Baghus wäre das "Kalifat" der IS-Miliz im Irak und Syrien endgültig Geschichte. Die Dschihadisten sind aber weiterhin in der Badia-Wüste präsent und haben in Syrien und dem Irak zahlreiche Schläferzellen, die immer wieder Anschläge verüben.


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