12.03.2019, 12:35 Uhr

Mainz (AFP) Studie: Luftverschmutzung verkürzt das Leben der Europäer um rund zwei Jahre

Abgase strömen aus Auspuff. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann)Abgase strömen aus Auspuff. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann)

Luftschadstoffe verursachen global mehr Schaden als Rauchen

Die Luftverschmutzung verkürzt die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Europa einer neuen Studie zufolge um zwei Jahre. Wie das Max-Planck-Institut für Chemie und die Universitätsmedizin Mainz am Dienstag mitteilten, sind die Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe in der Luft deutlich schlimmer als bislang angenommen. Der Studie zufolge sterben auf 100.000 Einwohner gerechnet weltweit jährlich etwa 120 Menschen vorzeitig an den durch verschmutzte Luft ausgelösten Krankheiten - in Europa sogar 133 Menschen.

Bis vor Kurzem gingen die Forscher von einer globalen Sterblichkeitsrate durch Luftverschmutzung von rund 4,5 Millionen Menschen pro Jahr aus. Der neu berechnete Wert liegt bei 8,8 Millionen pro Jahr. Allein in Europa sterben demnach jährlich knapp 800.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung.

Damit reihen die Forscher schlechte Luft in die Liste der bedeutendsten Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen ein. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jährlich 7,2 Millionen Menschen pro Jahr an Tabakrauch sterben – inklusive Passivrauchen. Rauchen sei jedoch individuell vermeidbar, Luftverschmutzung nicht.

In mindestens der Hälfte der Sterbefälle infolge verschmutzter Luft sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache. Insbesondere mit Feinstaub belastete Luft scheint demnach deutlich negativere Folgen zu haben als die Wissenschaftler bislang annahmen. Dabei seien vor allem Feinstaubteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer die Hauptursache für Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen, was die hohen Sterberaten erklärt.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Europäische Grenzwert für Feinstaub, der für den Jahresdurchschnitt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt, viel zu hoch ist", erklärte der Direktor des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, Thomas Münzel. Der Wert liegt weit über der Richtlinie der WHO von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter. "Jetzt ist es noch dringlicher geworden, die Belastung durch Feinstaub weiter zu senken und die Grenzwerte anzupassen", forderte Münzel.

Da ein Großteil des Feinstaubs und anderer Luftschadstoffe aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammt, plädieren Münzel und sein Ko-Autor Jos Lelieveld für 100 Prozent Erneuerbare Energien. "Wir können damit auch die von Luftverschmutzung verursachte Sterberate in Europa bis zu 55 Prozent verringern", erklärte Lelieveld, der Direktor am Max-Planck-Institut ist.

Die Berechnung vorzeitiger Todesfälle aufgrund von Luftverschmutzung ist in Deutschland wegen der Debatte um Diesel-Fahrverbote umstritten. Die Forscher wenden bei der Berechnung aber eine international anerkannte Methode an.

Die neuen Zahlen basieren auf einer Neuberechnung des "Global Burden of Disease" (GDB), einer weltweiten Gesundheitsstudie, sowie eigenen Untersuchungen. Dabei wurden die sogenannten "krankheitsspezifischen Gefährdungsraten" gegenüber den Werten des GBD deutlich höher ansetzt. Die Gefährdungsraten basieren auf 41 Studien aus 16 Ländern und bieten die "beste derzeit verfügbare Datengrundlage", erklärte Lelieveld.


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